Stand: 24.09.2026, 12:35 Uhr

Das Altersvorsorgedepot ist beschlossen und löst zum 1. Januar 2027 die Riester-Rente ab. Der neue staatlich geförderte Sparplan richtet sich nicht nur an Angestellte, sondern auch an Selbstständige und Beamte. Besonders für Gutverdiener könnte sich das Modell lohnen – allerdings nicht allein wegen der Zulagen, sondern vor allem wegen steuerlicher Vorteile. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Niels Nauhauser, Teamleiter Finanzen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Warum ist das wichtig?

Das Altersvorsorgedepot ist der zentrale Baustein der privaten Altersvorsorge in Deutschland nach dem Auslaufen der Riester-Förderung. Es erlaubt Anlegern, in ETFs, Aktien oder Fonds zu investieren und dabei von staatlichen Zulagen zu profitieren. Der entscheidende Punkt: Wer mehr einzahlt, als für die maximale Förderung nötig ist, kann im Ruhestand von niedrigeren Steuersätzen profitieren. Denn die Auszahlungen unterliegen dann der nachgelagerten Besteuerung – und das zu einem Zeitpunkt, an dem das zu versteuernde Einkommen in der Regel niedriger ist als im Berufsleben. Das macht das Depot besonders für Gutverdiener attraktiv, die heute hohe Steuersätze zahlen und später mit einem geringeren Grenzsteuersatz rechnen können.

Für wen ist die Meldung relevant?

  • Gutverdiener: Wer jährlich mehr als die 3.000 Euro (bzw. 2.100 Euro für den Grundzulagenanspruch) einzahlt, kann den Steuerspreizungseffekt voll nutzen. Je höher das heutige Einkommen, desto größer der potenzielle Steuervorteil.
  • Selbstständige und Beamte: Diese Gruppen waren bei Riester oft außen vor oder hatten nur eingeschränkten Zugang. Das Altersvorsorgedepot öffnet die Förderung für alle Erwerbstätigen.
  • Anleger mit langem Anlagehorizont: Wer noch 15 bis 30 Jahre bis zur Rente hat, profitiert vom Zinseszinseffekt und kann die Steuerstundung über Jahrzehnte nutzen.
  • Verbraucher, die sich frühzeitig informieren wollen: Banken und Finanzdienstleister werden ab 2025 verstärkt Produkte anbieten. Wer jetzt die Grundlagen versteht, kann später bessere Entscheidungen treffen.

Einordnung für den Leser

Das Altersvorsorgedepot ist kein Allheilmittel. Die Steuervorteile sind real, aber sie kommen erst in der Auszahlungsphase zum Tragen. Wer heute hohe Beiträge leistet, bindet Kapital, das im Alter besteuert wird – zu dann geltenden Sätzen. Die Politik könnte die Steuersätze bis dahin anheben, was den Vorteil schmälern würde. Zudem sind die Kosten der Produkte entscheidend: Hohe laufende Gebühren fressen die Steuerersparnis auf. Verbraucherschützer raten, genau auf die Gesamtkostenquote (TER) und Ausgabeaufschläge zu achten. Ein weiterer Punkt: Die Förderung ist gedeckelt. Die maximale Zulage beträgt 175 Euro pro Jahr für den Grundbetrag, plus 300 Euro für Kinder. Wer nur die Zulage mitnimmt, aber nicht mehr einzahlt, hat kaum Steuervorteile. Das Modell entfaltet seine Wirkung erst bei höheren Eigenbeiträgen. Anleger sollten daher ihre individuelle Steuersituation und den voraussichtlichen Renteneintritt realistisch einschätzen. Eine professionelle Steuerberatung kann helfen, die optimale Sparrate zu ermitteln. Insgesamt ist das Altersvorsorgedepot ein Schritt in Richtung mehr Eigenverantwortung – aber es erfordert auch mehr Finanzwissen als die frühere Riester-Rente.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.