
Stand: 25.09.2026, 06:15 Uhr
Die Riester-Rente gilt vielen als gescheitert: hohe Kosten, niedrige Renditen, komplizierte Förderung. Ab 2027 soll das Altersvorsorgedepot eine echte Alternative bieten. Doch ist der neue Ansatz wirklich besser oder droht die nächste Enttäuschung? Ein genauer Blick auf die geplanten Änderungen zeigt: Es gibt echte Verbesserungen, aber auch Risiken, die Sparer kennen sollten.
Warum ist das wichtig?
Die gesetzliche Rentenversicherung allein reicht für den gewohnten Lebensstandard im Alter meist nicht aus. Private Vorsorge wird daher immer wichtiger. Die Riester-Rente hat hier versagt, weil sie durch die verpflichtende Beitragsgarantie zu hohen Kosten und geringen Aktienquoten führte. Das Altersvorsorgedepot soll diese Fehler korrigieren: keine Garantiepflicht, niedrigere Kosten, höhere Förderung und mehr Flexibilität. Für Millionen Sparer, die bisher in Riester-Verträgen stecken, ist die Umstellung eine Chance – aber nur, wenn sie die neuen Regeln verstehen.
Was ändert sich konkret?
- Keine verpflichtende Beitragsgarantie: Sparer können bis zu 100 Prozent in Aktienfonds investieren. Wer Sicherheit will, wählt freiwillig ein Garantieprodukt mit 80 oder 100 Prozent Beitragserhalt.
- Niedrigere Kosten: Beim Standardprodukt gilt eine gesetzliche Obergrenze von 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr. Bei eigener Fondswahl sind sogar 0,1 bis 0,2 Prozent möglich. Die Kosten müssen nach europäischer PRIIPs-Verordnung berechnet und alle drei Jahre von einem Wirtschaftsprüfer oder Aktuar bestätigt werden.
- Einfachere und höhere Förderung: Statt des einkommensabhängigen Mindesteigenbeitrags gilt eine feste Untergrenze von 120 Euro im Jahr. Die Grundzulage steigt auf bis zu 540 Euro (50 Cent pro Euro bis 360 Euro, 25 Cent pro Euro bis 1.800 Euro). Die volle Kinderzulage von 300 Euro wird ab 25 Euro Eigenbeitrag im Monat erreicht. Erstmals sind auch Selbstständige und Freiberufler direkt förderberechtigt.
- Flexiblere Auszahlung: Statt der Verrentung von mindestens 70 Prozent des Kapitals ist ein Auszahlungsplan oder eine Leibrente frei wählbar. Allerdings bleibt das Geld bis zum Rentenbeginn gebunden – vorher gibt es nur gegen Rückzahlung der gesamten Förderung.
Wo die Kritik weiterhin berechtigt ist
Trotz der Verbesserungen gibt es Fallstricke. Der Kostendeckel von 1,0 Prozent gilt nur für das Standardprodukt. Wer freie Fondswahl, ein Garantieprodukt oder einen Vertrag über einen Vermittler wählt, kann deutlich höhere Kosten haben. Auch Versicherer dürfen Altersvorsorgedepots mit Abschluss- und Verwaltungskosten anbieten. Über 40 Jahre macht der Unterschied zwischen 0,2 und 1,0 Prozent Kosten bei einer Bruttorendite von 6 Prozent rund 67.600 Euro aus.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Auszahlung aus dem Altersvorsorgedepot wird in voller Höhe als Einkommen versteuert – also Eigenbeitrag, Zulagen und Erträge. Bei einem normalen Depot ist nur der Gewinn steuerpflichtig, und zwar mit Abgeltungsteuer und Teilfreistellung. Bei kurzen Laufzeiten bis zur Rente kann ein ungefördertes Depot daher netto besser abschneiden.
Zudem ist die Auswahl der Fonds auf eine gesetzliche Positivliste begrenzt. Bestehende Fondsanteile aus einem normalen Depot lassen sich nicht einbringen. Und ob das geplante Standarddepot eines öffentlichen Trägers den Kostendruck tatsächlich erhöht, hängt von einer noch ausstehenden Verordnung ab.
Für wen ist die Meldung relevant?
Das Altersvorsorgedepot ist besonders interessant für Sparer mit langem Anlagehorizont (mindestens 15 bis 20 Jahre bis zur Rente), die bereit sind, ihre Fonds selbst auszuwählen und die Steuererstattung aus der nachgelagerten Besteuerung gewinnbringend anzulegen. Auch Selbstständige und Freiberufler, die bisher von der Riester-Förderung ausgeschlossen waren, profitieren. Für Sparer mit kurzer Restlaufzeit oder geringem Eigenbeitrag kann dagegen ein normales Depot oder die alte Riester-Rente vorteilhafter sein – insbesondere, wenn mehrere Kinder die Kinderzulage erhöhen.
Das Altersvorsorgedepot ist kein zweites Riester-Debakel, aber auch kein Selbstläufer. Wer die neuen Regeln versteht und aktiv nutzt, kann deutlich besser abschneiden. Wer sich nicht kümmert, zahlt am Ende vielleicht doch wieder drauf.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.