Stand: 25.09.2026, 09:59 Uhr

Das Altersvorsorgedepot ist beschlossen und löst zum 1. Januar 2027 die Riester-Rente ab. Der neue staatlich geförderte Sparvertrag richtet sich nicht nur an Angestellte, sondern auch an Selbstständige und Beamte. Besonders für Gutverdiener könnte sich das Modell lohnen – allerdings nicht automatisch. Denn die steuerlichen Vorteile hängen stark vom persönlichen Grenzsteuersatz und der gewählten Auszahlungsstrategie ab.

Warum ist das wichtig?

Die Riester-Rente war über Jahre hinweg stark kritisiert worden – wegen hoher Kosten, geringer Renditen und intransparenter Bedingungen. Mit dem Altersvorsorgedepot will die Politik einen schlankeren, flexibleren und vor allem kostengünstigeren Rahmen schaffen. Für Sparer bedeutet das: mehr Kontrolle über die Anlage, weniger Gebühren und eine staatliche Förderung, die auch für höhere Einkommen attraktiv sein kann. Allerdings ist das Modell komplex – insbesondere bei der Besteuerung in der Auszahlungsphase. Wer die Regeln nicht versteht, riskiert am Ende eine höhere Steuerlast als erwartet.

Wie funktioniert die Förderung?

  • Basis-Förderung: Für Eigenbeiträge bis 360 Euro pro Jahr gibt es 50 Cent vom Staat pro eingezahltem Euro. Für Beiträge zwischen 361 und 1.800 Euro beträgt der Zuschuss 25 Cent pro Euro. Maximal sind so 540 Euro staatliche Förderung pro Jahr möglich.
  • Steuerlicher Zusatzeffekt: Die eingezahlten Beträge können als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent (ab etwa 70.000 Euro Jahreseinkommen) ergibt sich eine jährliche Steuererstattung von rund 443 Euro. Bei 50 Prozent Grenzsteuersatz steigt die Erstattung auf etwa 630 Euro.
  • Übersparen möglich: Neben dem geförderten Betrag können Sparer zusätzlich bis zu 11.880 Euro pro Jahr in maximal zwei Verträge einzahlen – ohne staatliche Förderung, aber mit Steuerstundungseffekt.

Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot besonders?

Das Modell ist vor allem für Gutverdiener mit hohem Grenzsteuersatz interessant. Denn sie profitieren doppelt: von der staatlichen Förderung und von der Steuerersparnis während der Ansparphase. Wer zudem bereit ist, über die Fördergrenze hinaus zu sparen, kann von einem erheblichen Vermögensaufbau profitieren. Bei einer angenommenen Rendite von 6,5 Prozent nach Kosten und einer maximalen Förderung sowie Steuererstattung können nach 30 Jahren rund 250.000 Euro zusammenkommen. Wer zusätzlich die ungeförderten Einzahlungen nutzt, kann sogar auf über 1,3 Millionen Euro kommen – allerdings unter der Voraussetzung, dass die Kosten niedrig und die Renditen stabil bleiben.

Welche Fallstricke gibt es?

Die Steuerstundung in der Ansparphase wird in der Auszahlungsphase zurückgefordert. Der geförderte Teil unterliegt dem vollen persönlichen Einkommensteuersatz. Bei Gutverdienern, die auch im Ruhestand hohe Einkünfte haben (z. B. aus Mieteinnahmen oder anderen Renten), kann der Steuersatz weiterhin bei 40 Prozent oder mehr liegen. Dann relativieren sich die Vorteile. Zudem sind die Auszahlungsoptionen unterschiedlich besteuert: Bei einer Einmalauszahlung des ungeförderten Teils greift das Halbeinkünfteverfahren – aber nur, wenn das Geld länger als zwölf Jahre investiert war. Ansonsten fällt die Abgeltungsteuer an. Verbraucherschützer raten daher zu einer genauen individuellen Berechnung, bevor man sich für das Altersvorsorgedepot entscheidet.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.