
Stand: 24.09.2026, 08:44 Uhr
Die Bundesregierung plant mit dem Altersvorsorgedepot die Ablösung der Riester-Rente. Das neue Modell soll als gefördertes Fondssparwerk funktionieren: Einlagen fließen in einen Auffangfonds, der je nach Alter des Sparers schrittweise in risikoärmere Anlagen umschichtet. Ein Garantiewert soll Verluste am Rentenbeginn begrenzen. Für Anleger bedeutet das mehr Flexibilität als bei Riester, da das Kapital nicht zwingend in eine lebenslange Rente fließen muss. Kritiker verweisen jedoch auf mögliche Kosten durch Fondsgeschäfte und die Frage, ob die Zulagen ausreichend attraktiv ausfallen. Zudem bleibt unklar, wie Bestandsverträge übergehen.
Warum ist das wichtig?
Das Altersvorsorgedepot ist ein zentraler Baustein der privaten Altersvorsorge in Deutschland. Es ersetzt die oft kritisierte Riester-Rente und zielt darauf ab, mehr Menschen zum Sparen für das Alter zu bewegen. Die wichtigsten Vorteile im Überblick:
- Staatliche Zulagen: Bis zu 540 Euro pro Jahr bei Eigenbeiträgen von 1.800 Euro. Für Kinder gibt es zusätzlich bis zu 300 Euro pro Kind.
- Steuervorteile: Eigenbeiträge sind als Sonderausgaben absetzbar. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent kann die Gesamtförderung auf rund 983 Euro pro Jahr steigen.
- Steuerfreie Ansparphase: Keine Abgeltungsteuer auf Kursgewinne, keine Vorabpauschale, keine Steuer beim Umschichten. Der Zinseszins arbeitet ungebremst.
- Keine Sozialabgaben auf die Auszahlung: Anders als bei Betriebsrenten fallen keine Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung an.
- Volle Aktienquote möglich: Bis zu 100 Prozent in breit gestreute Aktienfonds, ohne die teure Beitragsgarantie von Riester.
- Flexible Auszahlung: Wahl zwischen Auszahlungsplan und lebenslanger Leibrente. Bis zu 30 Prozent des Kapitals können zu Beginn entnommen werden.
Allerdings gibt es auch Nachteile, die Anleger kennen sollten:
- Kostendeckel nur für Standardprodukt: Die Obergrenze von 1,0 Prozent Effektivkosten gilt nur für das Standardprodukt. Freie Fondswahl oder Garantieprodukte können teurer sein.
- Vollbesteuerung der Auszahlung: Das gesamte geförderte Guthaben wird im Ruhestand als Einkommen versteuert. Bei kurzen Laufzeiten kann ein normales Depot steuerlich günstiger sein.
- Lange Bindung: Die Auszahlungsphase beginnt frühestens mit 65 Jahren und läuft mindestens bis zum 85. Lebensjahr. Vorzeitige Entnahmen führen zur Rückzahlung aller Zulagen und Steuervorteile.
- Kein Kapitalschutz: Ohne Beitragsgarantie kann das Depot zwischenzeitlich deutlich im Minus stehen. Garantieprodukte kosten Rendite.
- Eingeschränkte Auswahl: Nur breit gestreute Fonds, Anleihen von EU-Staaten und Geldmarktfonds sind zugelassen. Einzelaktien, Kryptowährungen und Hebelprodukte sind ausgeschlossen.
Für wen ist die Meldung relevant?
Das Altersvorsorgedepot ist besonders interessant für:
- Langfristig orientierte Sparer: Wer noch viele Jahre bis zur Rente hat, profitiert von der steuerfreien Ansparphase und dem Zinseszinseffekt.
- Gutverdiener: Hohe Grenzsteuersätze machen die Steuerersparnis besonders wertvoll.
- Familien mit Kindern: Die Kinderzulage kann die Förderquote auf über 250 Prozent heben.
- Selbstständige und Freiberufler: Sie sind förderberechtigt, sofern sie eine Steuererklärung abgeben.
Weniger geeignet ist das Depot für:
- Sparer mit kurzem Anlagehorizont: Wer nur noch wenige Jahre bis zur Rente hat, profitiert kaum von der Steuerfreiheit und zahlt bei der Auszahlung voll Steuern.
- Anleger mit niedrigem Steuersatz: Die Steuerersparnis fällt gering aus, während die Bindung hoch ist.
- Wer liquide Rücklagen braucht: Das Geld ist bis zum Rentenalter gebunden. Vorzeitige Entnahmen sind teuer.
Für die Anlagestrategie lohnt sich die Beobachtung der Gesetzgebung: Broker und Direktbanken dürften um günstige Depotlösungen für das neue Produkt konkurrieren. Welche Variante am Ende passt, hängt von der individuellen Situation ab. Eine professionelle Beratung kann helfen, die Vor- und Nachteile abzuwägen.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.