Stand: 17.09.2026, 11:00 Uhr

Die Bank of England (BoE) hat ihren Leitzins im September 2026 unverändert bei 3,75 Prozent belassen. Das teilte die britische Notenbank nach der Sitzung ihres geldpolitischen Ausschusses (MPC) am 16. September mit. Die Entscheidung fiel mit einer Mehrheit von 6 zu 3 Stimmen. Drei Mitglieder des Ausschusses votierten für eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent. Die MPC-Mitglieder zeigten sich angesichts der anhaltenden geopolitischen Spannungen und deren Auswirkungen auf die Energiepreise weiterhin besorgt über die Inflationsentwicklung.

Warum ist das wichtig?

Die Entscheidung der Bank of England ist für Anleger und Marktteilnehmer von großer Bedeutung, da sie die Richtung der Geldpolitik in einer der größten Volkswirtschaften der Welt vorgibt. Der Leitzins beeinflusst maßgeblich die Kreditkosten für Unternehmen und Privathaushalte sowie die Renditen von Staatsanleihen. Die Beibehaltung des Zinsniveaus signalisiert, dass die Währungshüter die wirtschaftliche Erholung nicht gefährden wollen, aber gleichzeitig die Inflation im Zaum halten müssen. Die Inflationsrate in Großbritannien lag im August bei 3,1 Prozent und damit deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent. Die Notenbank rechnet mit einem weiteren Anstieg in den kommenden Quartalen, vor allem aufgrund der gestiegenen Energiepreise. Der Konflikt im Nahen Osten hat die Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben. Seit der letzten MPC-Sitzung im Juli sind die Preise für Rohöl der Sorte Brent um 36 Prozent und für britisches Erdgas um 78 Prozent gestiegen. Die Bank of England betonte, dass die Geldpolitik darauf ausgerichtet sei, die Inflation nachhaltig auf 2 Prozent zu senken. Bislang gebe es kaum Anzeichen für sogenannte Zweitrundeneffekte, also eine Übertragung der höheren Energiepreise auf Löhne und andere Preise. Das Risiko dafür steige jedoch, je länger die hohen Energiepreise anhielten. Die wirtschaftliche Aktivität habe sich etwas stärker entwickelt als erwartet, doch die schwachen Arbeitsmarktbedingungen und die höheren Zinsen für Haushalte und Unternehmen würden die Inflation im Laufe der Zeit dämpfen. Der Ausschuss bewertet die Risiken für den Inflationsausblick als nach oben gerichtet – und zwar stärker als noch im Juli. Gleichzeitig räumte die Notenbank ein, dass sich der Ausblick je nach Entwicklung im Nahen Osten noch erheblich ändern könne. Die MPC stehe bereit, bei Bedarf zu handeln, um sicherzustellen, dass die Inflation mittelfristig auf den 2-Prozent-Pfad zurückkehre.

  • Zinsentscheidung: Leitzins bleibt bei 3,75 Prozent, drei von neun MPC-Mitgliedern stimmten für eine Erhöhung auf 4,0 Prozent.
  • Inflationsentwicklung: Die Teuerungsrate lag im August bei 3,1 Prozent, getrieben vor allem durch höhere Energiepreise. Die direkten Effekte der Energiepreise machten rund 0,7 Prozentpunkte des Anstiegs aus.
  • Energiepreise: Seit der Juli-Sitzung stiegen die Preise für Brent-Öl um 36 Prozent und für britisches Erdgas um 78 Prozent. Die Spotpreise lagen bei 106 Dollar pro Barrel (Öl) und 207 Pence pro Therm (Gas).
  • Quantitative Tightening: Der MPC stimmte einstimmig dafür, den Bestand an Staatsanleihen (Gilts) für geldpolitische Zwecke weiter abzubauen. Das Volumen soll bis Ende 2034 um durchschnittlich 46 Milliarden Pfund pro Jahr reduziert werden, unter anderem durch Verkäufe von 20 Milliarden Pfund jährlich.
  • Wirtschaftsausblick: Die Konjunktur zeigt sich etwas stärker als erwartet, doch die höheren Zinsen und die schwache Arbeitsmarktlage dämpfen die Nachfrage. Die Dienstleistungsinflation lag im August bei 3,4 Prozent, die Lohnentwicklung (private Wirtschaft) bei rund 2,9 Prozent.

Für wen ist die Meldung relevant?

Die Entscheidung der Bank of England ist für ein breites Publikum von Interesse. Anleger an den Finanzmärkten, insbesondere solche mit Engagements in britischen Staatsanleihen, Aktien oder Währungen, sollten die Entwicklung genau verfolgen. Auch Unternehmen, die in Großbritannien investieren oder dort Handel treiben, sind direkt betroffen, da die Zinsentscheidung die Finanzierungskosten beeinflusst. Für Privathaushalte mit Immobilienkrediten oder anderen variablen Darlehen ist die Zinsentscheidung ebenfalls relevant, da sie die monatlichen Belastungen bestimmt. Darüber hinaus ist die Meldung für alle interessant, die sich mit der globalen Inflationsentwicklung und den Reaktionen der Zentralbanken auf die geopolitischen Spannungen beschäftigen. Die Bank of England agiert im Gleichschritt mit anderen großen Notenbanken wie der EZB und der Fed, die ebenfalls mit steigenden Energiepreisen und Inflationsrisiken kämpfen. Die nächste Zinssitzung der Bank of England ist für den 5. November 2026 angesetzt. Bis dahin werden die Märkte genau beobachten, ob sich die Energiepreise weiter beruhigen oder ob die Inflation neue Höchststände erreicht.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.