Stand: 23.09.2026, 12:59 Uhr
Die angeschlagene Volksbank Braunschweig Wolfsburg (Brawo) hat einen wichtigen Schritt zur Stabilisierung gemacht. Die Vertreterversammlung der Genossenschaftsbank hat dem Jahresabschluss und damit auch den geplanten Stützungsmaßnahmen mit großer Mehrheit zugestimmt. Dies gab die Bank am Mittwoch bekannt. Damit ist der Weg frei für ein Rettungspaket der Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), das ein Volumen von bis zu 723 Millionen Euro umfasst.
Warum ist das wichtig?
Die Volksbank Brawo ist mit einer Bilanzsumme von rund 6,5 Milliarden Euro der bislang größte Stützungsfall im genossenschaftlichen Bankensektor. Die Rettung zeigt, wie das institutseigene Sicherungssystem der Volks- und Raiffeisenbanken im Ernstfall funktioniert. Dieses System soll verhindern, dass einzelne Mitgliedsbanken in Schieflage geraten und dadurch Kunden oder Einleger geschädigt werden. Die Zustimmung der Vertreter ist ein klares Signal, dass die Bank nun die notwendigen Maßnahmen ergreifen kann, um ihre finanzielle Stabilität wiederherzustellen.
Die Unterstützung durch die BVR-Sicherungseinrichtung umfasst zwei Komponenten:
- Garantien in Höhe von 473 Millionen Euro: Diese sollen Risiken vor allem im Immobiliengeschäft abschirmen und weitere Verluste verhindern.
- Kapitalzufuhr von bis zu 250 Millionen Euro: Die Sicherungseinrichtung zeichnet Anteile, um die Eigenkapitalquote der Bank zu stärken. Ohne diese Maßnahme hätte die Brawo die aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen unterschritten.
Die Volksbank Brawo war in den vergangenen Jahren stark von ihrem Kerngeschäft als Regionalbank abgewichen. Statt sich auf das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft zu konzentrieren, baute sie ein weit verzweigtes Netz an Beteiligungen auf – darunter Immobilienprojekte, Fitnessstudios, Gastronomiebetriebe und Engagements im Ausland, etwa auf Mallorca. Diese Strategie führte zu erheblichen finanziellen Schieflagen. Die Bank hat bereits mit der Restrukturierung begonnen, sich von ersten Töchtern und Beteiligungen getrennt und will weitere Immobilien verkaufen.
Parallel zum finanziellen Rettungspaket steht ein Führungswechsel an. Die Vertreterversammlung hat zudem die Altersgrenze für Vorstandsmitglieder von 65 Jahren gestrichen. Dies ermöglicht es dem 67-jährigen Jürgen Wache, die Führung der Brawo zu übernehmen. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Hannoverschen Volksbank war erst im Juni in den Ruhestand gegangen, aber bereits Mitte August als Generalbevollmächtigter zur Brawo zurückgekehrt. Der Aufsichtsrat hat ihn bereits zum neuen Vorstandschef bestellt. Wache kündigte an, die Bank werde sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.
Für wen ist die Meldung relevant?
Die Entwicklung ist in erster Linie für die rund 200.000 Mitglieder und Kunden der Volksbank Brawo von Bedeutung. Sie können darauf vertrauen, dass das genossenschaftliche Sicherungssystem greift und ihre Einlagen geschützt sind. Darüber hinaus ist der Fall für die gesamte Finanzbranche relevant, insbesondere für andere Genossenschaftsbanken. Er zeigt, wie das Verbundsystem in einer Krise funktioniert und welche Lehren daraus gezogen werden können. Auch Anleger und Beobachter des Bankensektors sollten die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen, da sie Aufschluss über die Stabilität des genossenschaftlichen Sektors gibt. Seit Anfang 2024 gab es bereits zehn Rettungsfälle bei Volks- und Raiffeisenbanken mit einem Gesamtvolumen von rund zwei Milliarden Euro. Die Brawo ist der größte Einzelfall und wird daher genau beobachtet.
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