Stand: 23.09.2026, 17:02 Uhr

Der österreichische Leitindex ATX hat in den vergangenen drei Jahren eine beeindruckende Performance hingelegt und dabei etablierte Größen wie den DAX, den S&P 500 und den MSCI World deutlich hinter sich gelassen. Mit einem Plus von 140,5 Prozent (inklusive Dividenden) seit September 2023 steht der ATX an der Spitze der globalen Indizes. Zum Vergleich: Der DAX legte im selben Zeitraum um 64,7 Prozent zu, der S&P 500 um 76,5 Prozent und der MSCI World um 72,8 Prozent. Aus 10.000 Euro wären im ATX rund 24.045 Euro geworden, während es im DAX nur 16.466 Euro gewesen wären. Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als der ATX mit nur 20 Mitgliedern und einer geringen Marktkapitalisierung im internationalen Vergleich eher ein Nischenindex ist.

Warum ist das wichtig?

Die Outperformance des ATX zeigt, dass Anleger nicht zwangsläufig auf die großen, globalen Indizes setzen müssen, um überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Gerade in Zeiten, in denen der US-Markt von wenigen Tech-Werten dominiert wird, bieten kleinere, regional fokussierte Indizes wie der ATX eine interessante Diversifikationsmöglichkeit. Die Rally wird durch mehrere Faktoren getrieben:

  • Starke Banken: Die Erste Group und die Raiffeisen Bank International profitieren von hohen Zinsüberschüssen und einem starken Osteuropa-Geschäft. Die Erste Group meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Nettogewinn von knapp 2,0 Milliarden Euro, ein Plus von 18,6 Prozent.
  • Niedrige Bewertung: Der ATX galt lange als unterbewertet im Vergleich zu anderen Indizes. Diese Bewertungslücke schließt sich nun, was zusätzlichen Rückenwind gibt.
  • Dividendenstärke: Der ATX zählt zu den ausschüttungsstärksten Indizes Europas. 2026 schütten die Unternehmen rund 5,6 Milliarden Euro aus, was die Total-Return-Performance massiv verbessert.
  • Einzelner Tech-Wert: Die Aktie von AT&S, einem Hersteller von Leiterplatten und IC-Substraten, hat sich im ersten Halbjahr 2026 mehr als verfünffacht. Das Unternehmen profitiert direkt vom KI-Boom, da seine Produkte für Hochleistungschips in Rechenzentren benötigt werden.

Wichtig zu wissen: Die Performance des ATX ist in Euro gerechnet, da Österreich zur Eurozone gehört. Für deutsche Anleger entfällt daher das Währungsrisiko, das bei US-Indizes wie dem S&P 500 oder japanischen Indizes wie dem Nikkei 225 eine Rolle spielt.

Für wen ist die Meldung relevant?

Die Meldung ist besonders interessant für Anleger, die nach Alternativen zu den stark von US-Tech-Werten geprägten Indizes suchen. Wer sein Portfolio diversifizieren möchte und bereit ist, in einen kleineren, aber renditestarken Markt zu investieren, findet im ATX eine spannende Option. Auch für Anleger, die auf Dividenden setzen, ist der ATX attraktiv, da er zu den ausschüttungsstärksten Indizes Europas zählt. Allerdings sollten Anleger die hohe Konzentration des Index beachten: Wenige Schwergewichte wie die Erste Group, die OMV oder die Verbund AG bestimmen den Kurs. Ein Engagement über ETFs oder Einzelaktien ist möglich, erfordert aber eine sorgfältige Analyse der Risiken. Die jüngste Rally zeigt, dass der ATX kein Index für kurzfristige Spekulationen ist, sondern eine langfristige Anlage mit Potenzial – aber auch mit zwischenzeitlichen Rückschlägen, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.