
Stand: 24.09.2026, 13:56 Uhr
Die stellvertretende Gouverneurin der Bank of England (BoE), Sarah Breeden, hat am Dienstag in einer Rede deutlich gemacht, dass ein nachhaltiger Rückgang der Energiepreise keineswegs absehbar sei. Diese Einschätzung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Geldpolitik der britischen Notenbank und damit auch auf den Devisenmarkt, insbesondere das Pfund Sterling.
Warum ist das wichtig?
Breedens Aussagen sind ein wichtiges Signal für die künftige Zinspolitik der BoE. Sie machte deutlich, dass ein länger anhaltender Energieschub die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Notenbank mit weiteren Zinserhöhungen reagieren muss. „Je größer und länger der Energieschock, desto wahrscheinlicher wird die Geldpolitik reagieren müssen“, sagte Breeden. Sie warnte davor, zu lange auf eindeutige Belege für sogenannte Zweitrundeneffekte zu warten – also darauf, dass höhere Energiepreise auf andere Güter und Dienstleistungen übergreifen.
Gleichzeitig räumte sie ein, dass die indirekte Weitergabe der Energiepreissteigerungen bislang begrenzt geblieben sei, was auf eine gewisse konjunkturelle Schwäche hindeute. Dies sei ein wichtiger Unterschied zur Situation im Jahr 2022, als die Geldpolitik noch nicht restriktiv war. Heute starte man von einem Punkt aus, an dem die Politik bereits bremsend wirke. Daher plädiert Breeden für einen vorsichtigen, von Sitzung zu Sitzung gehenden Ansatz bei Zinsentscheidungen. Die entscheidende Frage für sie sei, ob überhaupt ein erster Schritt nötig sei – weniger, ob viele weitere folgen müssten.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Anleger in britischen Staatsanleihen (Gilts): Breedens leicht restriktiver Ton könnte die Renditen stützen, da die Märkte eine längere Phase hoher Zinsen einpreisen.
- Devisenhändler (GBP/USD): Das Pfund notiert nahe seines tiefsten Standes seit Ende Juni 2026. Ein Durchbruch der Unterstützungszone um 1,3212/1,3219 könnte weitere Verluste bis auf 1,3171/1,3181 und darunter bis auf 1,3139 eröffnen. Solange der Kurs jedoch unter 1,3273 bleibt, behalten die Verkäufer die Oberhand.
- Unternehmen mit Energieabhängigkeit: Firmen, die stark von Energiepreisen betroffen sind, müssen sich auf anhaltend hohe Kosten einstellen. Breeden beobachtet genau, wie Unternehmen ihre Preise setzen – die Umfragen des Decision Maker Panels (DMP), der Einkaufsmanagerindex (PMI) und die Agentenbefragungen der BoE sind für sie zentrale Indikatoren.
- Privatanleger mit Fokus auf Inflation: Die Aussage, dass die Risiken für eine notwendige Reaktion der BoE gestiegen sind, bedeutet, dass die Inflation hartnäckiger sein könnte als erhofft. Dies beeinflusst die Kaufkraft und die Sparzinsen.
Breedens Botschaft ist insgesamt als leicht restriktiv, aber konditional zu werten. Sie zeigt sich besorgt, dass die Energiepreise lange genug hoch bleiben könnten, um die Preissetzungsentscheidungen der Unternehmen nachhaltig zu beeinflussen. Für den Markt stellt sich nun die Frage, ob die bestehende restriktive Politik ausreicht, um die Inflation zu zähmen, oder ob die Unternehmen beginnen, ihre höheren Kosten an die Kunden weiterzugeben. Die nächsten Inflations- und Konjunkturdaten aus Großbritannien werden daher mit Spannung erwartet.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.