
Stand: 25.09.2026, 09:01 Uhr
Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Condor steht vor einem Eigentümerwechsel: Der britische Finanzinvestor Attestor übernimmt zum 31. August 2027 die restlichen 49 Prozent der Anteile, die bislang über die staatliche SG Luftfahrtgesellschaft vom Bund und dem Land Hessen gehalten wurden. Damit ziehen sich die öffentlichen Eigentümer vollständig aus dem Unternehmen zurück. Attestor zieht eine Kaufoption, die bereits beim Einstieg des Investors im Jahr 2021 vereinbart worden war.
Warum ist das wichtig?
Der Staat war nach der Insolvenz des damaligen Mutterkonzerns Thomas Cook und den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie als Retter eingesprungen. Mit einem Kredit der Förderbank KfW in Höhe von 175 Millionen Euro halfen Bund und Land Hessen, die Airline zu stabilisieren. Condor zahlte diese Staatshilfen im Frühjahr 2026 vorzeitig zurück. Nun ordnet das Unternehmen seine Gesellschafterstruktur neu – ein klares Signal, dass die Airline wieder auf eigenen Beinen steht. Der vollständige Rückzug des Staates ist ein wichtiger Meilenstein für die Privatisierung und die langfristige strategische Ausrichtung von Condor.
Für Anleger und Marktbeobachter ist die Entwicklung relevant, weil Condor als zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft eine Schlüsselrolle im europäischen Luftverkehr einnimmt. Die Airline hat in den vergangenen Jahren ihr Geschäft massiv umgebaut: Sie erneuerte die Langstreckenflotte, baut die Kurz- und Mittelstreckenflotte aus und entwickelt ein eigenes Städteflugnetz als Zubringer für das Drehkreuz Frankfurt. Dies ist umso wichtiger, da die Lufthansa den bisherigen Zubringervertrag gekündigt hat. Zudem kehrte Condor aus Kostengründen vom Vorort Neu-Isenburg an den Frankfurter Flughafen zurück.
Für wen ist das interessant?
- Aktionäre der Lufthansa: Die Neuordnung bei Condor könnte den Wettbewerb auf wichtigen Strecken beeinflussen, insbesondere da Condor nun eigene Zubringer aufbaut.
- Anleger in Luftfahrtaktien: Die Entwicklung zeigt, wie sich Airlines nach staatlichen Rettungsaktionen konsolidieren und privatisieren – ein Trend, der auch für andere europäische Gesellschaften relevant sein könnte.
- Reisende: Condor-Chef Peter Gerber hatte bereits Ende August auf steigende Ticketpreise hingewiesen, unter anderem wegen gestiegener Spritpreise infolge des Iran-Kriegs. Die Kostenbelastung bleibt hoch.
Trotz des operativen Fortschritts steht Condor vor Herausforderungen: Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 stieg der operative Gewinn (EBIT) zwar um ein Viertel auf 151 Millionen Euro, und die Passagierzahl wuchs um 13 Prozent auf über 9,6 Millionen. Unterm Strich wuchs der Verlust jedoch um 13,7 Prozent auf 110,43 Millionen Euro. Grund waren interne Darlehenszinsen gegenüber Attestor und hohe Leasing-Bewertungen der jungen Flugzeuge. Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt – die vollständige Übernahme durch Attestor ist daher auch ein Vertrauensbeweis des Investors in die Zukunft des Unternehmens.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.