
Stand: 25.09.2026, 09:22 Uhr
Der britische Finanzinvestor Attestor wird ab Ende August 2027 alleiniger Eigentümer der Ferienfluggesellschaft Condor. Der Bund und das Land Hessen ziehen sich dann vollständig aus dem Unternehmen zurück. Attestor zieht eine Kaufoption, die bereits beim Einstieg 2021 vereinbart wurde, und übernimmt die verbliebenen 49 Prozent der Anteile, die bislang über die SG Luftfahrtgesellschaft von Bund und Land Hessen gehalten werden. Das gab Condor am Freitag in Frankfurt bekannt. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht genannt.
Warum ist das wichtig?
Der Rückzug des Staates markiert das Ende einer beispiellosen Rettungsaktion. Nach der Insolvenz des damaligen Mutterkonzerns Thomas Cook und den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie waren der Bund und das Land Hessen 2020 eingesprungen, um Condor vor dem Aus zu bewahren. Die Staatshilfen – ein Kredit der Förderbank KfW in Höhe von 175 Millionen Euro – hat Condor im Frühjahr 2026 vorzeitig zurückgezahlt. Nun ordnet die Airline ihre Gesellschafterstruktur neu. Für Anleger und Marktbeobachter ist dies ein Signal, dass sich Condor nach Jahren der Krise stabilisiert hat, auch wenn die wirtschaftliche Lage schwierig bleibt.
Für wen ist das interessant?
- Aktionäre der Lufthansa: Condor ist der zweitgrößte deutsche Ferienflieger und ein wichtiger Wettbewerber. Die Neuordnung könnte den Wettbewerb auf den touristischen Strecken beeinflussen.
- Reisende: Condor-Chef Peter Gerber hatte Ende August bereits steigende Ticketpreise angekündigt, unter anderem wegen gestiegener Spritkosten infolge des Iran-Kriegs. Die Eigentümerstruktur ändert daran kurzfristig nichts.
- Beschäftigte der Airline: Mit mehr als 5.000 Mitarbeitern und rund 60 Flugzeugen ist Condor ein bedeutender Arbeitgeber. Die vollständige Übernahme durch Attestor sorgt für Klarheit, birgt aber auch Risiken, falls der Investor weitere Restrukturierungen plant.
Einordnung für den Leser
Condor hat in den vergangenen Jahren massiv umgebaut: Die Langstreckenflotte wurde erneuert, die Kurz- und Mittelstreckenflotte ausgebaut und das Städteflugnetz als Zubringer für das Drehkreuz Frankfurt gestärkt. Letzteres ist besonders wichtig, da die Lufthansa den bisherigen Zubringervertrag gekündigt hat. Zudem ist Condor zurück an den Frankfurter Flughafen gezogen, nachdem das Unternehmen aus Kostengründen zwischenzeitlich in den Vorort Neu-Isenburg umgesiedelt war. Trotz dieser Fortschritte bleibt die Lage angespannt: Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 stieg der operative Gewinn (EBIT) zwar um ein Viertel auf 151 Millionen Euro, und die Passagierzahl wuchs um 13 Prozent auf über 9,6 Millionen. Unterm Strich wuchs der Verlust jedoch um 13,7 Prozent auf 110,43 Millionen Euro. Grund waren interne Darlehenszinsen gegenüber Attestor und hohe Leasing-Bewertungen der meist noch jungen Flugzeuge. Hinzu kommen gestiegene Spritpreise infolge des Iran-Kriegs, die die gesamte Branche belasten. Für Anleger bedeutet dies: Condor ist operativ auf einem guten Weg, aber die hohe Verschuldung und externe Kostenfaktoren bleiben Risiken. Die vollständige Übernahme durch Attestor gibt dem Investor nun die volle Kontrolle – und damit auch die Verantwortung, die Airline durch diese schwierige Phase zu steuern.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.