Stand: 24.09.2026, 13:10 Uhr

Der US-Dollar hat am Donnerstag gegenüber allen wichtigen Währungen zugelegt. Drei Faktoren trafen zeitgleich zusammen und verstärkten sich gegenseitig: Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Fed-Zinserhöhung im Oktober stieg sprunghaft auf 77,5 Prozent, die Ölpreise zogen aufgrund geopolitischer Risiken an und die Verlängerung des US-chinesischen Handelsstillstands fiel kürzer aus als erhofft. Diese Konstellation hat den Dollar massiv gestützt und die Renditen von US-Staatsanleihen auf Mehrjahreshochs getrieben.

Warum ist das wichtig?

Die drei Treiber wirkten bislang oft gegeneinander. Niedrigere Ölpreise, diplomatische Hoffnungen oder die Erwartung eines längeren Handelsstillstands hatten den Dollar zuvor immer wieder gebremst. Am Donnerstag fielen diese Gegengewichte jedoch gleichzeitig weg. Das macht den Tag zu einem echten Konvergenzpunkt, an dem sich mehrere makroökonomische Risiken bündeln und den Dollar ungewöhnlich stark begünstigen.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf rund 5,14 Prozent – der höchste Stand seit 2007. Die zweijährige Rendite näherte sich der Marke von 4,90 Prozent, die dreißigjährige kletterte über 5,44 Prozent. Gleichzeitig zog der Brent-Ölpreis auf über 105 Dollar je Fass an. Die Huthi-Rebellen im Jemen rückten näher an die strategisch wichtige Bab-el-Mandeb-Meeresenge vor, die neben der Straße von Hormus einen zweiten kritischen Öltransitweg bedroht. Der Handelsstillstand zwischen den USA und China wurde lediglich um zwei Monate bis zum 10. Januar verlängert – eine dauerhafte Entspannung blieb aus.

Für wen ist die Meldung relevant?

  • Devisenanleger: Die Dollar-Stärke betrifft alle Währungspaare. Besonders der Euro, das Pfund und der Yen geraten unter Druck. Wer in diesen Märkten positioniert ist, sollte die weitere Entwicklung der Fed-Erwartungen und der Ölpreise genau verfolgen.
  • Anleiheinvestoren: Der Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen setzt sich fort. Die zehnjährige Rendite hat eine wichtige Widerstandszone durchbrochen. Ein nachhaltiger Schlusskurs oberhalb dieses Bereichs könnte den nächsten Anstieg in Richtung 5,4 Prozent eröffnen. Auch global steigen die Renditen – Japans zehnjährige JGB erreichte 3,055 Prozent.
  • Rohstoffhändler: Die Ölpreise erhalten durch die geopolitische Lage in Nahost zusätzlichen Auftrieb. Die Bedrohung gleich zweier Engpässe – Hormus und Bab el-Mandeb – könnte die Preise weiter stützen. Saudi-Arabien nutzt zwar bereits Ausweichrouten, doch auch diese sind nun mit Risiken behaftet.
  • Aktienanleger: Steigende Zinsen und höhere Ölpreise belasten die Bewertungen vieler Unternehmen. Besonders zyklische Werte und solche mit hoher Verschuldung könnten unter Druck geraten. Ein starker Dollar erschwert zudem die Geschäfte exportorientierter US-Konzerne.

Die entscheidende Frage ist, ob sich diese Konvergenz fortsetzt oder ob einer der drei Treiber nachlässt. Ein deutlich schwächerer Arbeitsmarktbericht oder eine überraschend niedrige Inflation könnten die Zinserwartungen dämpfen. Eine konkrete Deeskalation an einem der beiden Öl-Engpässe würde den Ölpreis drücken. Und substanzielle Fortschritte in den US-chinesischen Handelsgesprächen vor dem 10. Januar könnten die Handelsunsicherheit verringern. Solange keines dieser Gegengewichte zurückkehrt, bleibt die makroökonomische Konstellation ungewöhnlich günstig für den Dollar.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.

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