
Stand: 18.09.2026, 08:00 Uhr
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Ergebnisse ihrer monatlichen Verbraucherumfrage (Consumer Expectations Survey, CES) für August 2026 veröffentlicht. Die Daten zeigen ein gemischtes Bild: Während die kurzfristigen Inflationserwartungen der Haushalte leicht anziehen, bleiben die Konjunkturaussichten verhalten. Die Umfrage, an der rund 19.000 Erwachsene aus elf Euro-Ländern teilnahmen, gilt als wichtiger Frühindikator für das Verbraucherverhalten und die geldpolitische Ausrichtung der EZB.
Warum ist das wichtig?
Die Inflationserwartungen der Verbraucher sind ein zentraler Faktor für die Geldpolitik der EZB. Steigen sie dauerhaft über das Ziel von 2,0 Prozent, könnte die Notenbank gezwungen sein, die Zinsen länger hoch zu halten oder sogar weiter anzuheben. Die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass die Haushalte zwar eine allmähliche Entspannung bei der Teuerung erwarten, die Werte aber weiterhin über dem EZB-Ziel liegen. Gleichzeitig signalisiert der trübe Konjunkturausblick mit erwartetem Wirtschaftswachstum von minus 1,2 Prozent eine anhaltende Schwächephase. Dies stellt die EZB vor ein Dilemma: Sie muss die Inflation bekämpfen, ohne die ohnehin fragile Konjunktur weiter abzuwürgen.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
- Inflationswahrnehmung und -erwartung: Die gefühlte Inflation der vergangenen zwölf Monate blieb bei 3,5 Prozent. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate stiegen von 2,9 auf 3,0 Prozent. Auch die längerfristigen Erwartungen für drei und fünf Jahre zogen leicht an, auf 2,9 bzw. 2,5 Prozent.
- Einkommen und Konsum: Die Erwartungen an das nominale Einkommenswachstum blieben bei 1,0 Prozent. Die Verbraucher rechnen weiterhin mit einer spürbaren Ausgabenerhöhung von 3,6 Prozent in den nächsten zwölf Monaten.
- Konjunktur und Arbeitsmarkt: Die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum blieben unverändert negativ bei minus 1,2 Prozent. Die erwartete Arbeitslosenquote in zwölf Monaten sank leicht von 11,2 auf 11,0 Prozent, was auf einen stabilen Arbeitsmarkt hindeutet.
- Immobilien und Kredite: Die Erwartungen an die Preisentwicklung der eigenen Immobilie blieben bei plus 3,4 Prozent. Die erwarteten Hypothekenzinsen in zwölf Monaten stagnierten bei 4,9 Prozent. Die Nettozahl der Haushalte, die eine Verschärfung der Kreditbedingungen meldeten, ging zurück.
Für wen ist die Meldung relevant?
Die Umfrageergebnisse sind für ein breites Publikum von Bedeutung. Für Anleger an den Kapitalmärkten liefern sie Hinweise auf die künftige Zinspolitik der EZB. Steigende Inflationserwartungen könnten die Renditen von Staatsanleihen treiben und die Aktienmärkte belasten. Verbraucher und Sparer erhalten einen Eindruck davon, wie sich die Teuerung und die Zinslandschaft in den kommenden Monaten entwickeln könnten. Für Unternehmen, insbesondere im Einzelhandel und der Immobilienbranche, sind die Daten zur Konsumlaune und zu den Immobilienpreiserwartungen wichtige Planungsgrößen. Wirtschaftspolitiker und Notenbanker nutzen die Umfrage, um die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen zu überprüfen und die geldpolitische Strategie anzupassen.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.