
Stand: 25.09.2026, 07:53 Uhr
Die Nationale Finanzbildungsstrategie (NFBS) für Österreich hat im Jahr 2025 einen deutlichen Schub erhalten. Laut dem aktuellen Monitoringbericht, den die Oesterreichische Nationalbank (OeNB), das Bundesministerium für Finanzen (BMF) und die Hochschule MCI gemeinsam vorgelegt haben, stieg die Zahl der aktiven Finanzbildungsmaßnahmen um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mehr als 155.000 Menschen wurden direkt über persönliche Angebote wie Workshops, Vorträge und Fortbildungen erreicht. Auch die digitalen Zugriffe legten um ein Drittel auf rund 550.000 Website-Besuche zu. Der Bericht zeigt jedoch auch klare Handlungsfelder: Besonders bei der Betrugsprävention und der Digitalisierung besteht Nachholbedarf.
Warum ist das wichtig?
Finanzbildung ist ein zentraler Baustein für die wirtschaftliche Teilhabe und den Schutz vor finanziellen Risiken. In Zeiten zunehmender Digitalisierung, neuer Finanzprodukte wie Kryptowährungen und steigender Betrugsmaschen (Phishing, Social Engineering) wird es immer wichtiger, dass Bürgerinnen und Bürger grundlegende Finanzkenntnisse besitzen. Der Monitoringbericht zeigt, dass die Bemühungen der NFBS-Community – bestehend aus rund 80 Institutionen – Früchte tragen, aber auch, dass bestimmte Zielgruppen und Themen noch nicht ausreichend abgedeckt sind. So entfallen zwar rund 40 Prozent der persönlichen Angebote auf Erwachsene, aber nur 6,1 Prozent der Teilnahmen stammen aus dieser Gruppe. Bei digitalen Angeboten sind Erwachsene dagegen mit über 50 Prozent der Zugriffe stark vertreten. Das deutet auf eine Diskrepanz zwischen Angebot und tatsächlicher Nutzung hin. Zudem behandeln nur 7 von 195 Maßnahmen das Thema Betrug und Täuschung – ein alarmierend niedriger Wert angesichts der Zunahme von Finanzbetrug. Die OeNB hat bereits reagiert und startet Projekttage mit der Polizei sowie Phishing-Simulationen an Schulen, um die Prävention zu stärken.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Anleger und Sparer: Wer sein Geld selbstständig anlegen oder verwalten möchte, profitiert von einem besseren Verständnis für Finanzprodukte, Risiken und Betrugsfallen. Die steigende Reichweite der Angebote hilft, Fehlentscheidungen zu vermeiden.
- Bildungseinrichtungen und Lehrer: Schulen und Universitäten können die Materialien und Workshops der NFBS nutzen, um Schüler und Studenten frühzeitig auf die finanzielle Realität vorzubereiten.
- Finanzdienstleister und Banken: Die Ergebnisse des Berichts bieten eine Grundlage, um eigene Bildungsinitiativen zu entwickeln oder mit der NFBS zu kooperieren. Besonders die Lücken bei Betrugsprävention und Digitalisierung sind für die Branche relevant.
- Politik und Regulierungsbehörden: Der Bericht liefert Daten für die Weiterentwicklung der Finanzbildungsstrategie bis 2035. Er zeigt, wo der Fokus liegen muss: mehr Angebote für Erwachsene, stärkere Integration von KI und digitalen Themen sowie ein klarer Schwerpunkt auf Verbraucherschutz.
- Verbraucherschützer: Die Erkenntnisse zu Betrugsprävention und Regulierung sind ein wichtiges Signal, um die Aufklärungsarbeit zu intensivieren und Verbraucher vor finanziellen Schäden zu schützen.
Der vollständige Monitoringbericht steht auf der Website der OeNB zum Download bereit. Die neue Nationale Finanzbildungsstrategie für den Zeitraum 2027–2035 soll im Januar 2027 vorgestellt werden.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.