Stand: 24.09.2026, 12:24 Uhr

Viele Anleger verfolgen die starre Regel: Je älter, desto weniger Aktien. Der renommierte Finanzwissenschaftler Martin Weber hält diese Faustregel für überholt. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, warum auch Rentner ein reines Aktiendepot halten können – und worauf es wirklich ankommt.

Warum ist das wichtig?

Die klassische Altersrichtlinie – etwa „100 minus Lebensalter“ als Aktienquote – führt oft zu suboptimalen Ergebnissen. Weber zufolge entscheidet nicht das Geburtsdatum über die richtige Depotstruktur, sondern die individuelle finanzielle Situation. Wer über ausreichend Vermögen verfügt und nicht kurzfristig auf das gesamte Kapital angewiesen ist, kann auch mit 80 Jahren hohe Aktienquoten halten. Der Grund: Aktien bieten langfristig die höchste Rendite, gleichen Inflation aus und sichern die Kaufkraft im Ruhestand. Wer zu früh umschichtet, verschenkt Wachstumspotenzial und riskiert, im Alter knapp bei Kasse zu sein.

Weber betont, dass die Schwellenangst vieler Deutscher vor Aktien unbegründet ist. Nur etwa jeder sechste Bundesbürger besitzt Aktien oder Aktienfonds – das ist im internationalen Vergleich sehr wenig. Dabei zeigen empirische Studien: Wer langfristig investiert und Kursschwankungen aushält, fährt mit Aktien besser als mit Anleihen oder Sparbüchern. Die entscheidende Frage sei nicht das Alter, sondern der Anlagehorizont und die persönliche Risikotoleranz.

Für wen ist die Meldung relevant?

  • Privatanleger jeden Alters, die ihre Depotstrategie überdenken wollen – insbesondere Ruheständler und Menschen kurz vor der Rente.
  • Einsteiger, die sich bisher von der Komplexität der Aktienanlage abschrecken ließen und nun eine wissenschaftlich fundierte Orientierung suchen.
  • Kunden von Robo-Advisors und klassischen Brokern, die oft automatisch starre Alters-Mischungen vorgeben – Weber rät, diese kritisch zu hinterfragen.
  • Finanzberater und Vermögensverwalter, die ihre Empfehlungen auf den Prüfstand stellen möchten.

Weber warnt zudem vor Überheblichkeit: Privatanleger sollten nicht glauben, sie seien schlauer als Profis. Statt auf vermeintliche Marktzeitpunkte zu setzen, empfiehlt er einen disziplinierten, langfristigen Ansatz – etwa regelmäßige Sparpläne auf breit gestreute Indexfonds (ETFs). Wer sein Depot nach Fakten statt nach Altersschablonen ausrichte, sei besser gewappnet für die Herausforderungen der Altersvorsorge.

Für Anleger bedeutet das: Nicht hektisch werden und bei Kursverlusten panisch verkaufen. Stattdessen die eigene finanzielle Situation nüchtern analysieren und die Aktienquote daran ausrichten – unabhängig vom Lebensalter. Eine Rentnerin mit ausreichendem Vermögen und langem Anlagehorizont kann durchaus 100 Prozent Aktien vertragen, so Weber. Wichtig sei nur, dass sie die Schwankungen emotional aushält und nicht gezwungen ist, zu ungünstigen Zeitpunkten zu verkaufen.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.