Stand: 25.09.2026, 04:15 Uhr

Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen und wird von Anlegern gerne genutzt, um Vermögen in turbulenten Zeiten zu schützen. Besonders bei steigender Inflation greifen viele zum gelben Edelmetall, in der Hoffnung, die Kaufkraft ihres Geldes zu bewahren. Doch eine aktuelle Analyse von Morningstar stellt diesen Ruf infrage: Die historische Korrelation zwischen Goldpreis und Inflation ist überraschend schwach. Wer Gold als verlässlichen Inflationsschutz betrachtet, könnte sich auf ein riskantes Spiel einlassen.

Warum ist das wichtig?

Die Inflation ist derzeit ein zentrales Thema an den Finanzmärkten. Steigende Verbraucherpreise in den USA und Europa sorgen für Unsicherheit, und viele Anleger suchen nach Absicherungsmöglichkeiten. Gold wird dabei oft als erste Wahl genannt, weil es physisch knapp ist und nicht durch geldpolitische Maßnahmen entwertet werden kann. Die Morningstar-Analyse zeigt jedoch, dass diese Annahme auf tönernen Füßen steht. Über die letzten 50 Jahre lag die Korrelation zwischen Goldpreis und Inflation bei lediglich 0,16 – ein Wert, der nahezu keine Beziehung bedeutet. Das heißt: Wenn die Inflation steigt, muss der Goldpreis nicht zwangsläufig mitziehen. In einigen Phasen hoher Inflation verlor Gold sogar deutlich an Wert. So erlitten Anleger zwischen 1980 und 1984 trotz einer durchschnittlichen Inflationsrate von 6,5 Prozent einen Verlust von rund zehn Prozent. Ähnlich war es von 1988 bis 1991: Bei einer Inflation von 4,6 Prozent fiel der Goldpreis um 7,6 Prozent. Diese Daten zeigen, dass Gold kein verlässlicher Schutz gegen Geldentwertung ist – zumindest nicht auf kurze bis mittlere Sicht. Die Analyse von Seeking Alpha untermauert dies: Zwischen 1978 und 1995, einer Phase mit besonders hoher Inflation, legte Gold nur um 71 Prozent zu, während der Verbraucherpreisindex um 127 Prozent stieg. Von 1980 bis 2000 verlor Gold sogar 43 Prozent, obwohl die Inflation weiter anzog.

Für wen ist die Meldung relevant?

  • Privatanleger: Wer sein Depot gegen Inflation absichern möchte, sollte Gold nicht als alleinige Lösung betrachten. Die Analyse zeigt, dass andere Anlageklassen oft besser geeignet sind.
  • Portfoliomanager: Institutionelle Investoren, die auf Gold als Inflationsschutz setzen, müssen ihre Strategie überdenken. Eine Diversifikation über verschiedene Assetklassen ist ratsam.
  • Rohstoff-Investoren: Auch wer direkt in Gold investiert, sollte die Risiken kennen. Die hohe Volatilität des Goldpreises kann in Phasen hoher Inflation zu Verlusten führen.
  • Finanzberater: Die Erkenntnisse sind wichtig für die Beratung von Kunden, die Sicherheit suchen. Gold allein reicht nicht – ein Mix aus Aktien, REITs, Rohstoffen wie Öl und inflationsgeschützten Anleihen (TIPS) bietet laut Experten besseren Schutz.

Die Morningstar-Strategin Amy Arnott empfiehlt daher, Gold nicht isoliert zu betrachten. In ihrer Analyse schnitten REITs und Rohstoffe in den untersuchten Zeiträumen deutlich besser ab. So gewannen REITs zwischen 1973 und 1979 rund 11,5 Prozent, Rohstoffe sogar 19,4 Prozent – während die Inflation bei 8,8 Prozent lag. Auch Michael McClary von Valmark Financial Group rät, Gold nicht nur wegen Inflationsängsten zu kaufen. Ein gemischtes Portfolio sei die bessere Wahl. Allerdings gibt es auch eine gute Nachricht für Gold-Fans: Über sehr lange Zeiträume von mehreren Jahrzehnten hinweg kann Gold seinen Wert gegen Inflation behaupten. Die Morningstar-Analyse zeigt, dass die Langzeitbilanz besser ausfällt. Doch für kürzere Anlagehorizonte bleibt Gold ein unberechenbarer Schutz. Anleger sollten sich dieser Unsicherheit bewusst sein und ihre Strategie entsprechend anpassen.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.