
Stand: 25.09.2026, 04:26 Uhr
Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gezeigt. Trotz eines scharfen Anstiegs der US-Renditen auf Mehrjahreshochs und einer weiterhin festen US-Währung hält das Edelmetall eine wichtige Unterstützungszone bei 4.230,70 US-Dollar. Doch die eigentliche Bewährungsprobe steht noch bevor: Nicht der kurzfristige Renditeschock, sondern ein dauerhaft hohes Renditeniveau könnte Gold nachhaltig unter Druck setzen.
Warum ist das wichtig?
Die Entwicklung am Goldmarkt ist ein zentraler Indikator für die Risikostimmung unter Anlegern. Steigende Renditen machen zinslose Anlagen wie Gold weniger attraktiv, da die Opportunitätskosten steigen. Derzeit liegt der Goldpreis bei rund 4.275 US-Dollar und damit deutlich über dem Junitief von 3.942,43 US-Dollar. Die jüngste Verkaufswelle bei US-Staatsanleihen hat die 10-jährige Rendite erstmals seit Jahrzehnten wieder über die Marke von 5 Prozent getrieben – ohne dass Gold diese Unterstützung aufgegeben hat.
Doch die technische Verfassung des Edelmetalls gibt Anlass zur Vorsicht. Der Goldpreis notiert unterhalb der 55-Stunden-Exponential Moving Average (EMA) bei 4.326,16 US-Dollar und unter dem 55-Tages-EMA bei 4.337,45 US-Dollar. Die relative Stärke (RSI) liegt im 4-Stunden-Chart bei 40,88 und im Tageschart bei 43,87 – beides unter der neutralen 50er-Marke, aber noch nicht im überverkauften Bereich. Der MACD ist auf beiden Zeitebenen negativ, wobei die Verschlechterung im Tageschart besonders ausgeprägt ist.
Die entscheidende Frage lautet nun: Kann Gold seine Unterstützung auch dann halten, wenn die Renditen dauerhaft über 5 Prozent bleiben? Ein kurzfristiger Renditeschock ist verkraftbar. Ein anhaltend hohes Renditeniveau in Kombination mit weiteren Zinserhöhungserwartungen der US-Notenbank Fed würde den relativen Attraktivitätsverlust von Gold jedoch kontinuierlich verstärken.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Anleger in Gold-ETFs und physisches Gold: Sie sollten die Entwicklung der US-Renditen und der Fed-Politik genau verfolgen, da diese die kurzfristige Preisentwicklung maßgeblich beeinflussen.
- Devisenhändler: Gold korreliert stark mit dem US-Dollar und den Renditen. Ein Bruch der Unterstützung könnte Signalwirkung für andere Risiko-Assets haben.
- Rohstoffinvestoren: Die Goldpreisentwicklung gibt Hinweise auf die allgemeine Risikobereitschaft und die Inflationserwartungen.
- Makroökonomen und Strategen: Die Fähigkeit von Gold, sich gegen steigende Renditen zu behaupten, ist ein Indikator für die Glaubwürdigkeit der Fed-Politik und die Inflationsdynamik.
Technisch betrachtet ist die Marke von 4.230,70 US-Dollar der entscheidende Gradmesser. Ein nachhaltiger Bruch dieser Unterstützung würde die These von der Widerstandsfähigkeit des Goldpreises erschüttern und das Junitief von 3.942,43 US-Dollar als nächstes Kursziel in den Fokus rücken. Auf der Oberseite müsste Gold zunächst die Zone um 4.326 bis 4.337 US-Dollar zurückerobern, um den Abwärtsdruck zu mildern. Ein nachhaltigerer Aufschwung würde einen Ausbruch über die 4.410-US-Dollar-Marke erfordern, gefolgt von der Widerstandszone zwischen 4.410 und 4.520 US-Dollar. Erst dann wäre die Korrektur seit dem Hoch bei 4.697,07 US-Dollar infrage gestellt.
Die nächsten wichtigen Impulse könnten von den US-Arbeitsmarktdaten und den Verbraucherpreisen kommen. Sollten diese die Erwartung weiterer Zinserhöhungen der Fed bestätigen, dürfte der Druck auf Gold zunehmen. Bleiben die Daten hingegen hinter den Erwartungen zurück, könnte dies den Renditeanstieg bremsen und Gold eine Verschnaufpause verschaffen.
Gold hat den Renditeschock überstanden – jetzt muss es beweisen, dass es auch ein dauerhaft hohes Renditeniveau verkraften kann. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Unterstützung bei 4.230,70 US-Dollar hält oder ob der Druck letztlich doch zu groß wird.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.