Stand: 23.09.2026, 07:33 Uhr
Die Aktie des Recyclingspezialisten Pyrum Innovations hat am Mittwoch eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzogen. Nachdem das Unternehmen am Vorabend seine Jahresprognose für 2026 gesenkt hatte, fiel der Kurs zunächst auf bis zu 23,70 Euro, erholte sich jedoch im Handelsverlauf und notierte zuletzt bei 27,10 Euro – ein Plus von rund drei Prozent. Auslöser der positiven Stimmung waren die veröffentlichten Halbjahreszahlen sowie eine Förderzusage für ein Projekt in Schweden.
Warum ist das wichtig?
Pyrum Innovations ist ein Spezialist für die thermische Verwertung von Altreifen (Altpyreolyse) und gilt als vielversprechender Akteur im Bereich der Kreislaufwirtschaft. Die gesenkte Prognose zeigt jedoch, dass das Unternehmen mit operativen Herausforderungen kämpft. Konkret verzögert sich die Inbetriebnahme einer neuen Mahl- und Pelletieranlage am Stammsitz in Dillingen (Saarland). Der Lieferant hat technische Probleme bei der Förderung des gemahlenen Materials aus den Silos, sodass die Anlage derzeit nur 1.250 Kilogramm pro Stunde schafft, statt der garantierten 1.650 Kilogramm. Die Verzögerung wird auf wenige Wochen geschätzt, belastet aber die kurzfristigen Erwartungen.
Für 2026 rechnet Pyrum nun mit einem Umsatz von 4,2 bis 5,3 Millionen Euro (zuvor 6,5 bis 9,5 Millionen Euro) und einer Gesamtleistung von 11,0 bis 14,0 Millionen Euro (zuvor 12,0 bis 18,0 Millionen Euro). Das operative Ergebnis (EBIT) soll ein Minus von 10,0 bis 12,5 Millionen Euro betragen, nach zuvor prognostizierten 8,0 bis 10,5 Millionen Euro. Die Halbjahreszahlen zeigen einen Umsatzanstieg von 38 Prozent auf 1,74 Millionen Euro, aber die Gesamtleistung sank auf 3,79 Millionen Euro (Vorjahr: 6,71 Millionen Euro). Der Konzernverlust lag bei 7,0 Millionen Euro, die Liquidität schrumpfte von 17,0 Millionen Euro zum Jahresende 2025 auf 6,1 Millionen Euro zum 30. Juni 2026.
Um die Produktion zu steigern, darf Pyrum übergangsweise zwei Monate lang in Nachtschichten arbeiten – von 16 auf 24 Stunden täglich. Bis Ende September soll eine dritte Schicht eingerichtet werden, um die monatliche Produktion im vierten Quartal zu maximieren. Allerdings lassen sich die verlorenen Produktionszeiten nicht vollständig aufholen, und die Nachtarbeit erhöht die Betriebskosten.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Anleger und Aktionäre von Pyrum Innovations: Sie müssen die operative Verzögerung und die gesenkte Prognose in ihre Bewertung einfließen lassen. Die positive Förderzusage aus Schweden könnte jedoch langfristige Perspektiven stärken.
- Investoren im Bereich Recycling und Kreislaufwirtschaft: Pyrum ist ein spezialisierter Anbieter, dessen Technologie für die Altreifenverwertung zukunftsträchtig ist. Die aktuellen Schwierigkeiten zeigen aber die Risiken von Skalierungsprozessen.
- Beobachter des deutschen Mittelstands: Das Unternehmen steht exemplarisch für die Herausforderungen, die junge Technologiefirmen bei der Industrialisierung neuer Verfahren bewältigen müssen.
Die Förderzusage für das schwedische Projekt mit GreenTech Recycling Tires AB über 24 Millionen Euro gibt Rückenwind. Gemeinsam planen die Partner eine Thermolyseanlage mit einer Kapazität von 22.700 Tonnen Altreifen pro Jahr. Pyrum erwartet, dass das Projekt spätestens im ersten Quartal 2027 Fahrt aufnimmt. Zudem unterzeichnete das Unternehmen Ende August den ersten Anlagenkaufvertrag mit einem tschechischen Partner, und Continental hat das recycelte Carbon Black aus der neuen Anlage freigegeben. Diese Fortschritte im Projektgeschäft könnten die kurzfristigen operativen Rückschläge teilweise kompensieren.
Für Anleger bleibt entscheidend, wie schnell der Lieferant den Engpass in Dillingen behebt. Ein Webcast des Managements am Mittwochvormittag könnte weitere Details liefern. Die Aktie notiert auf Wochensicht trotz der Erholung rund 14 Prozent im Minus – bei 27,10 Euro, nach 31,50 Euro vor einer Woche. Die Entwicklung hängt maßgeblich von der Lösung der technischen Probleme und der Umsetzung der internationalen Expansion ab.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.