Stand: 25.09.2026, 08:53 Uhr

Die Aktie von HelloFresh ist am Freitag um rund sechs Prozent auf 2,27 Euro eingebrochen und markierte mit einem Tief von 2,16 Euro ein neues Rekordtief. Auslöser ist eine erneute Gewinnwarnung des Kochboxenversenders, der seine Jahresprognose zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate kappen musste. Grund dafür ist eine schwächer als erwartete Neukundengewinnung in der wichtigen Back-to-School-Phase nach den Sommerferien.

Warum ist das wichtig?

HelloFresh, einst ein Vorzeigeunternehmen der deutschen Start-up-Szene und kurzzeitig sogar im DAX notiert, steckt in einer tiefen Krise. Die erneute Prognosesenkung zeigt, dass das Geschäftsmodell nach dem Ende des Corona-Booms massiv unter Druck steht. Die Nachfrage nach Kochboxen ist eingebrochen, und das Unternehmen hat Schwierigkeiten, neue Kunden zu gewinnen. Für das dritte Quartal rechnet das Management nun mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang von elf bis zwölf Prozent – Analysten hatten im Schnitt nur mit minus 6,8 Prozent gerechnet. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 45 und 55 Millionen Euro liegen, unter dem Konsens von rund 57 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet HelloFresh nun einen Umsatzrückgang von neun bis elf Prozent, nach zuvor prognostizierten drei bis sechs Prozent. Die EBITDA-Zielspanne wurde von 375 bis 425 Millionen Euro auf 350 bis 370 Millionen Euro gesenkt. Als Hauptgrund nennt das Unternehmen gekürzte Marketingausgaben, was bei Anlegern auf Kritik stößt.

Für wen ist die Meldung relevant?

  • Aktionäre von HelloFresh: Der Kursverlust von rund 69 Prozent binnen zwölf Monaten und die Marktkapitalisierung von nur noch rund 350 Millionen Euro (einst über 16 Milliarden Euro) zeigen das Ausmaß der Wertvernichtung. Anleger müssen sich fragen, ob eine Erholung realistisch ist.
  • Anleger im SDAX: HelloFresh zählt zu den schwächsten Titeln im Nebenwerteindex, der nahezu unverändert notiert. Die Aktie belastet den Index und könnte weitere Abflüsse auslösen.
  • Interessierte an der Konsum- und E-Commerce-Branche: Die Entwicklung von HelloFresh ist ein Gradmesser für die Nachfrage nach Convenience-Produkten und Abo-Modellen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld.
  • Analysten und Marktbeobachter: Banken wie UBS, JPMorgan und die DZ Bank reagieren skeptisch. Die UBS sieht Sorgen um das Umsatzpotenzial bestätigt, JPMorgan kritisiert die erneute Prognosesenkung nach zuversichtlichen Aussagen, und die DZ Bank bezweifelt eine schnelle Stabilisierung.

Die vollständigen Quartalszahlen werden am 5. November erwartet. Dann wird sich zeigen, ob sich die Kundenbasis stabilisieren lässt oder ob weitere Hiobsbotschaften drohen. Anleger sollten die Entwicklung genau verfolgen, aber keine voreiligen Schlüsse ziehen. Die Aktie bleibt hochspekulativ.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.