Stand: 25.09.2026, 01:58 Uhr

Ein Analyst von Melius Research sorgt mit einer kühnen Prognose für Aufsehen: Die Aktie von Intel könnte sich innerhalb von zwei Jahren auf 200 US-Dollar verdoppeln. Treiber dieser Entwicklung soll vor allem das Foundry-Geschäft des Chipherstellers sein. Doch die Einschätzung ist mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.

Warum ist das wichtig?

Intel befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Der Konzern investiert Milliarden in den Aufbau einer eigenen Chipfertigung für Drittanbieter (Foundry-Geschäft), um unabhängiger von asiatischen Produktionsstandorten wie Taiwan zu werden. Diese Strategie wird von der US-Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit unterstützt. Sollte Intel hier erfolgreich sein, könnte das Unternehmen zu einem zentralen Pfeiler der heimischen Halbleiterindustrie werden – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Aktienkurs.

Die Analystenprognose basiert auf einer sogenannten Sum-of-the-Parts-Bewertung (SOTP). Dabei wird der Wert einzelner Geschäftsbereiche separat berechnet und addiert. Im Fall von Intel käme das Foundry-Geschäft demnach auf einen Wert von 80 US-Dollar pro Aktie, das Produktgeschäft auf weitere 80 US-Dollar. Hinzu kämen Beteiligungen und andere Vermögenswerte.

Allerdings ist die 200-US-Dollar-These an mehrere Bedingungen geknüpft:

  • Der Fertigungsprozess 14A muss 2028 in die Massenproduktion gehen.
  • Großkunden wie Apple, Tesla und ein weiterer Hyperscaler müssen sich zu diesem Verfahren verpflichten.
  • Die Foundry-Sparte müsste um 2030 ausgegliedert werden – möglicherweise mit Unterstützung von US-Regierung, NVIDIA und SoftBank.
  • Stabile Serverprozessor-Preise und eine höhere Nachfrage nach KI-Chips müssten zusätzliche Gewinne bringen.

Selbst das offizielle Kursziel des Analysten liegt mit 165 US-Dollar deutlich unter dem Extremszenario. Und auch dieses Ziel befindet sich bereits am oberen Rand der Analystenspanne. Der Konsens der 32 bewertenden Analysten liegt bei durchschnittlich 117,56 US-Dollar. 23 von ihnen raten zu „Halten“, nur sieben zum Kauf und zwei zum Verkauf.

Für wen ist die Meldung relevant?

Die Meldung ist in erster Linie für Anleger interessant, die bereits in Intel investiert sind oder einen Einstieg erwägen. Sie zeigt, dass es durchaus optimistische Szenarien gibt, die auf langfristige Wertsteigerung setzen. Gleichzeitig wird deutlich, dass diese Szenarien auf vielen Annahmen beruhen, die sich erst noch bewahrheiten müssen.

Für Trader und kurzfristig orientierte Anleger ist die Meldung weniger relevant, da die Prognose einen Zeithorizont von zwei Jahren umfasst. Wer auf schnelle Kursgewinne hofft, sollte die hohe Volatilität der Aktie und die Unsicherheit über den Erfolg der Foundry-Strategie berücksichtigen.

Die Meldung ist auch für Beobachter der Halbleiterbranche interessant, da sie die strategische Bedeutung von Intels Wandel unterstreicht. Sollte das Unternehmen seine Ziele erreichen, könnte es den globalen Chipmarkt nachhaltig verändern.

Wichtig: Die 200-US-Dollar-Marke ist keine belastbare Prognose, sondern ein ambitioniertes Szenario. Anleger sollten die Entwicklung der konkreten Meilensteine im Auge behalten – insbesondere verbindliche Kundenzusagen für den 14A-Prozess und Fortschritte bei der Foundry-Ausgliederung. Bis dahin bleibt die Aktie ein spekulatives Investment mit hohem Risiko.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.