Stand: 24.09.2026, 07:15 Uhr

Die Finanzwelt ist männlich geprägt – das zeigt sich nicht nur in Vorstandsetagen, sondern auch in der Art, wie über Geld und Investitionen gesprochen wird. Birgit Wetjen, Chefredakteurin des Frauenfinanzmagazins Courage, will das ändern. Im Interview mit dem Special „Female Finance by gettex“ erklärt sie, warum Frauen oft die besseren Anlegerinnen sind, welche Rolle Vorbilder spielen und wie die Finanzkrise 2008 ihr Denken nachhaltig verändert hat.

Warum ist das wichtig?

Die Finanzkrise 2008 war ein Wendepunkt – nicht nur für die Märkte, sondern auch für das Anlageverhalten von Frauen. Wetjen verweist auf eine Studie, die damals zeigte: Gut ausgebildete Männer investierten trotz der Krise weiter in Aktien, weil sie die Zusammenhänge verstanden – Liquiditätskrise, sinkende Zinsen, Notenbanken öffnen die Schleusen. Frauen hingegen zogen ihr Geld ab und brachten es in Sicherheit. Die Folge: eine massive Vermögensspreizung. Wer investiert blieb, profitierte von der Erholung. Wer auf dem Sparbuch hockte, verlor Hunderte Milliarden Euro an Kaufkraft. Wetjens Fazit: „Wir sind doch nicht blöder. Wir müssen einfach ein bisschen mehr Wissen vermitteln.“

Das ist die Kernbotschaft: Frauen sind nicht risikoscheuer, sondern oft weniger informiert. Sobald sie aber die Mechanismen verstehen, handeln sie langfristiger, weniger emotional und mit mehr Disziplin als viele Männer. Das ist nicht nur für die individuelle Altersvorsorge relevant, sondern auch für die gesamte Finanzmarktstabilität. Denn wenn mehr Frauen investieren, steigt die Diversität der Anlegerbasis – und das kann helfen, Übertreibungen zu glätten.

Für wen ist die Meldung relevant?

  • Anlegerinnen und Anleger: Die Erkenntnisse von Wetjen helfen, eigene Verhaltensmuster zu hinterfragen – unabhängig vom Geschlecht. Wer versteht, warum Frauen oft vernünftiger investieren, kann daraus lernen.
  • Finanzberater und Vermögensverwalter: Die Studie zeigt, dass die Ansprache von Frauen anders sein muss. Nicht mit Fachjargon und kurzfristigen Renditeversprechen, sondern mit verständlicher Bildung und langfristigen Perspektiven.
  • Medien und Finanzbildung: Wetjen kritisiert, dass klassische Finanzmedien Frauen nicht erreichen. Ihr Magazin Courage setzt auf Porträts von Frauen, die vorleben, dass Karriere und Finanzen machbar sind – ohne rosane Produkte oder herablassende Töne.
  • Unternehmen und Personalabteilungen: Mehr Frauen in Führungspositionen und mit Finanzkompetenz stärkt nicht nur die Unternehmenskultur, sondern auch die wirtschaftliche Resilienz.

Einordnung für den Leser

Die Diskussion um Female Finance ist kein Nischenthema. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge liegt die durchschnittliche Altersvorsorge von Frauen in Deutschland rund 30 Prozent niedriger als die von Männern. Gründe sind oft geringere Einkommen, Teilzeitarbeit und eine geringere Risikobereitschaft bei der Geldanlage. Wetjen zeigt: Das muss nicht so bleiben. Ihr Ansatz ist pragmatisch: Frauen brauchen keine speziellen Produkte, sondern mehr Wissen und Vorbilder. Die Botschaft ist klar: Frauen sind nicht blöder – sie starten oft später, aber wenn sie einmal dabei sind, investieren sie mit Verstand und Ausdauer. Das ist eine Einladung, sich selbst zu ermutigen – und vielleicht auch die eine oder andere Freundin mitzunehmen.

Hinweis: Die Meldung dient der redaktionellen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte informieren Sie sich vor einer Anlageentscheidung umfassend.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.