
Stand: 23.09.2026, 15:41 Uhr
Immer mehr börsennotierte Bitcoin-Miner stellen ihre Rechenzentren vom klassischen Mining auf KI-Computing um. Der Grund: Die Margen sind deutlich höher. Ein aktueller Bericht von CoinShares zeigt, dass der Gewinn pro Megawatt und Jahr bei KI-Anwendungen bei rund 1,5 Millionen US-Dollar liegt – dreimal so viel wie beim Bitcoin-Mining mit etwa 500.000 US-Dollar. Selbst steigende Bitcoin-Kurse bremsen diesen Trend nicht mehr. Für Anleger verschiebt sich dadurch das Risikoprofil der betroffenen Aktien grundlegend.
Warum ist das wichtig?
Die Umstellung von Bitcoin-Mining auf KI-Computing ist kein Randphänomen mehr, sondern ein strategischer Wandel, der die Geschäftsmodelle mehrerer großer Miner fundamental verändert. Unternehmen wie IREN, TeraWulf, Core Scientific und Riot Platforms investieren massiv in die Umrüstung ihrer Infrastruktur. IREN erzielte im zweiten Quartal 2026 mit KI-Cloud-Umsätzen erstmals mehr als mit Mining (70,5 Millionen zu 66,7 Millionen US-Dollar) und schrieb gleichzeitig Mining-Hardware im Wert von 450,4 Millionen US-Dollar ab. TeraWulf generiert inzwischen 71 Prozent seines Umsatzes mit HPC-Leasing. Core Scientific zahlte sogar 41,9 Millionen US-Dollar, um einen Mining-Hardware-Liefervertrag aufzulösen, nachdem der Mining-Betrieb eine negative Bruttomarge von 56 Prozent auswies.
Die wirtschaftliche Logik ist eindeutig: Die durchschnittlichen Cash-Kosten für die Produktion eines Bitcoin lagen im zweiten Quartal 2026 bei rund 75.500 US-Dollar, während Bitcoin das Quartal bei nur 58.400 US-Dollar beendete. Der Hash Price fiel im Juni auf ein Allzeittief von 27,70 US-Dollar je PH/s und Tag. KI-Verträge hingegen bieten stabile, langfristige Einnahmen mit höheren Margen. Investoren belohnen diesen Schritt: Unternehmen mit kontrahierter KI- oder HPC-Kapazität werden im Schnitt mit dem 12,9-fachen des erwarteten Zwölfmonatsumsatzes bewertet, reine Mining-Unternehmen nur mit dem 3,7-fachen.
Allerdings gibt es eine Kluft zwischen Ankündigung und Realität: Mehr als 100 Milliarden US-Dollar an offengelegtem KI- und HPC-Auftragsbestand stehen nur rund 1,1 Milliarden US-Dollar annualisierter Umsätze gegenüber. Zudem kostet die Umwandlung von Mining- in KI-taugliche Flächen 8 bis 15 Millionen US-Dollar pro Megawatt, verglichen mit 0,7 bis 1 Million US-Dollar für reine Mining-Infrastruktur. Das birgt Risiken für die Profitabilität der Umstellung.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Anleger in Miner-Aktien: Wer Aktien von IREN, TeraWulf, Riot Platforms oder ähnlichen Unternehmen hält, sollte verstehen, dass sich das Risikoprofil ändert. Diese Aktien werden zunehmend zu Wetten auf KI-Rechenzentrumsverträge statt auf den Bitcoin-Kurs. Das kann die Volatilität dämpfen, verschiebt aber die Depotallokation weg von der Kryptowährung.
- Bitcoin-Investoren: Direkt in Bitcoin investierte Anleger bleiben von der Frage unberührt, ob sich der KI-Umbau der Miner rechnet. Sie sollten den Trend aber im Blick behalten, weil er zeigt, wie eng Mining-Ökonomie und KI-Infrastrukturnachfrage verflochten sind. Der Abbau von mindestens 35 EH/s Mining-Rechenleistung reduziert den Wettbewerb um Block Rewards und kann die Wirtschaftlichkeit verbliebener Miner stützen.
- KI- und Tech-Investoren: Der Trend verdeutlicht die wachsende Nachfrage nach Rechenzentrumskapazität für KI-Anwendungen. Unternehmen, die solche Kapazitäten bereitstellen können, profitieren von langfristigen Verträgen und höheren Bewertungen.
Fazit: Der Umbruch bei den Bitcoin-Minern ist ein starkes Signal für die zunehmende Verflechtung von Krypto- und KI-Infrastruktur. Anleger sollten die Entwicklung genau verfolgen, um ihre Strategie entsprechend anzupassen.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.