Stand: 24.09.2026, 07:11 Uhr
Die ostasiatischen Aktienmärkte und Australien haben am Donnerstag überwiegend nachgegeben. Auslöser waren die Vorgaben aus den USA, wo unerwartet starke Konjunkturdaten die Zinserwartungen deutlich anheizten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf 5,11 Prozent – den höchsten Stand seit 2007. Die Märkte preisen nun mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank im Oktober ein, nach zuvor rund 55 Prozent. Auch in Asien zogen die Renditen daraufhin an.
Hinzu kam der wieder steigende Ölpreis. Brent-Rohöl notierte zuletzt bei 103,72 Dollar je Fass und damit 0,6 Prozent höher als am Vortag. Belastend wirkten Äußerungen des iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian vor der UN-Vollversammlung, wonach man sich dem US-Druck nicht beugen werde. Dies dämpfte Hoffnungen auf eine schnelle diplomatische Lösung im Nahost-Konflikt und eine Öffnung der Straße von Hormus.
Warum ist das wichtig?
Die Entwicklung an den asiatischen Börsen ist ein wichtiger Indikator für die globale Risikostimmung. Steigende US-Zinsen machen Anleihen attraktiver und belasten Aktienmärkte weltweit, da sie die Finanzierungskosten für Unternehmen erhöhen und die Bewertung von Wachstumsaktien drücken. Der gleichzeitig hohe Ölpreis verstärkt den Inflationsdruck und erschwert den Zentralbanken die geldpolitische Wende. Für Anleger bedeutet dies: Die Unsicherheit über den weiteren Zinspfad der Fed bleibt hoch, und die Märkte reagieren empfindlich auf jede Änderung der geldpolitischen Erwartungen.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Anleger mit Asien-Exposure: Wer in japanische, chinesische oder australische Aktien investiert ist, sollte die steigenden Renditen und den Ölpreis im Blick behalten. Besonders Technologiewerte in Tokio zeigten sich uneinheitlich – während der Nikkei-225 um 0,8 Prozent zulegte, gab der breitere Topix um 0,4 Prozent nach.
- Rohstoffinvestoren: Der Ölpreisanstieg und die Unterbrechung der Kupferproduktion in der weltgrößten Mine Escondida (BHP) könnten die Rohstoffmärkte weiter antreiben. BHP verlor in Sydney 1,7 Prozent, Rio Tinto gab 0,7 Prozent nach.
- Anleger mit Fokus auf Zinsentwicklung: Die steigenden Renditen in den USA und Asien signalisieren, dass die Zinswende noch nicht abgeschlossen ist. Dies betrifft insbesondere Anleihen- und Immobilieninvestments.
- China-Investoren: Die Verlängerung der Zollpause zwischen den USA und China bis Januar sorgte zunächst für keine positiven Impulse. Der Shanghai-Composite gab 1,2 Prozent nach, der Hang-Seng in Hongkong verlor 0,4 Prozent. Die Märkte warten nun auf die direkten Gespräche der Präsidenten Xi und Biden, bei denen es auch um Technologiekontrollen und KI gehen dürfte.
In Tokio zeigte sich der Markt nach der dreitägigen Feiertagspause uneinheitlich. Während der Technologieindex Nikkei-225 um 0,8 Prozent zulegte, gab der breitere Topix um 0,4 Prozent nach. Händler erklärten dies mit Nachholbedarf bei Technologieaktien, insbesondere solchen mit KI-Fantasie. Advantest legte um 3,2 Prozent zu, Tokyo Electron um 1,5 Prozent und Lasertec um 1,8 Prozent. Die SoftBank Group gewann 0,6 Prozent, obwohl der Technologieinvestor die Ausgabe von vorrangigen Anleihen im Wert von 11,1 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung der angepeilten Milliarden-Investition in OpenAI plant.
In Seoul wurde am Donnerstag und Freitag das Erntedankfest gefeiert, nachdem der technologielastige Kospi an den vergangenen vier Tagen zugelegt hatte. In Sydney gab der S&P/ASX-200 um 0,7 Prozent nach. Die Arbeitslosenquote in Australien stieg im August zwar unerwartet, die Beschäftigung nahm aber stark zu. Sorgen vor einer weiter zu hohen Inflation und damit weiter steigenden Zinsen dämpften die Daten nicht. Unter den Einzelwerten stieg Washington H. Soul Pattinson um gut 6 Prozent, nachdem die Investment-Holding trotz eines Rückgangs des operativen Jahresgewinns die Schlussdividende erhöhte.
BHP verlor 1,7 Prozent, nachdem der Bergbauriese den Abbau im weltweit größten Kupferbergwerk Escondida in Chile nach dem Tod eines Arbeiters ausgesetzt hat. Der Kurs des Konkurrenten Rio Tinto gab um 0,7 Prozent nach.
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