Stand: 24.09.2026, 23:22 Uhr

Die US-Investmentbank Morgan Stanley rät Anlegern, ihre KI-Strategie zu erweitern. In einer aktuellen Analyse empfiehlt das Team um Chefanalyst Stephen Byrd einen sogenannten „Barbell“-Ansatz: Anleger sollen weiterhin auf führende Chip- und Infrastrukturwerte setzen, gleichzeitig aber gezielt Positionen in Software-Unternehmen und KI-Anwendern aus traditionellen Branchen aufbauen. Die Botschaft: Der KI-Boom verlässt die reine Hardware-Phase.

Warum ist das wichtig?

Die Aktienmärkte haben sich in den vergangenen Monaten stark auf wenige große Technologiewerte konzentriert, insbesondere auf Chip-Hersteller wie Nvidia. Morgan Stanley argumentiert nun, dass sich die Wertschöpfungskette der Künstlichen Intelligenz zunehmend in die Breite verlagert. Unternehmen, die KI tatsächlich einsetzen, um Prozesse zu optimieren oder Kosten zu senken, rücken in den Fokus. Die Analysten sehen hier ein erhebliches Kurspotenzial, das über die bekannten „Megacaps“ hinausgeht. Für den Gesamtmarkt wäre dies eine positive Entwicklung, da eine breitere Beteiligung an Kursgewinnen die Anfälligkeit für Rückschläge in Einzelsektoren verringert.

Die Experten erwarten, dass die Nachfrage nach Rechenleistung das Angebot noch Jahre übersteigen wird. Verzögerungen beim Ausbau neuer Rechenzentren – etwa durch Energieengpässe, lokale Widerstände und politische Unsicherheiten – sorgen für Knappheit bei KI-Chips. Das verlängert die Gewinnphase für Hersteller wie Nvidia und Broadcom, die Morgan Stanley weiterhin favorisiert. Gleichzeitig warnen die Analysten jedoch vor einer zu einseitigen Ausrichtung: „Es ist Zeit, über Chips hinauszublicken“, so die Botschaft.

Für wen ist die Meldung relevant?

  • Aktienanleger mit Fokus auf Technologie: Wer bislang vor allem auf Nvidia, AMD oder andere Chipwerte gesetzt hat, erhält eine fundierte Begründung für eine breitere Streuung innerhalb des KI-Themas.
  • Investoren in traditionellen Branchen: Die Analyse zeigt, dass Unternehmen aus Bereichen wie Gesundheitswesen, Konsumgüter, Immobilien oder Transport zunehmend von KI profitieren können. Genannt werden unter anderem Home Depot, Procter & Gamble, Coca-Cola und GE Aerospace.
  • Langfristig orientierte Marktbeobachter: Die Einschätzung von Morgan Stanley liefert eine strategische Einordnung, wie sich der KI-Trend in den kommenden Quartalen entwickeln könnte – weg von reiner Hardware hin zu Software und praktischen Anwendungen.

Konkrete Beispiele untermauern die These: Der Medizintechnik-Spezialist iRhythm gibt an, dass KI die Zeit für die Auswertung von Patientenakten um fast die Hälfte reduzieren kann. Airbnb berichtet, dass sein KI-Assistent mittlerweile 40 Prozent aller Kundenanfragen ohne menschliches Zutun löst und die Buchungszeiten deutlich verkürzt hat. Solche Effizienzgewinne sind für Anleger ein klares Signal, dass KI nicht nur ein Hype, sondern ein messbarer Produktivitätsfaktor ist.

Im Software-Bereich empfehlen die Analysten Infrastruktur-Titel wie Microsoft, Snowflake, Datadog, Cloudflare und Dynatrace. Diese Unternehmen stellen die technischen Grundlagen bereit, auf denen KI-Anwendungen aufbauen. Sie gelten als weniger anfällig für mögliche Regulierungen, die vor allem die Entwickler großer KI-Modelle treffen könnten. Ein kurzfristiger Test steht bereits an: Ein für Dienstag angekündigtes Treffen im Weißen Haus mit Tech-CEOs zum Thema KI-Regulierung könnte für Bewegung sorgen.

Wichtig für die Einordnung: Morgan Stanley sieht die Knappheit bei KI-Hardware als zentrales, aber auch verletzliches Argument. Sollten sich Engpässe schneller auflösen als erwartet, könnte dies den Druck auf Chip-Aktien erhöhen. Die Bank rät daher zu einer aktiven, selektiven Positionierung – nicht zum Ausstieg aus dem KI-Thema, sondern zur gezielten Umschichtung.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.