Stand: 24.09.2026, 06:46 Uhr
Eine neue Studie des Capgemini Research Institute zeigt, dass Stablecoins, tokenisierte Einlagen und digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) bis 2030 voraussichtlich vier Prozent des weltweiten Zahlungsvolumens ausmachen werden. Dies könnte traditionellen Banken Ertragsverluste in Höhe von 230 Milliarden US-Dollar bescheren, insbesondere in margenstarken Bereichen wie Devisenspreads, Korrespondenzbankgeschäft und Transaktionsgebühren. Die Studie mit dem Titel „World Payments Report 2027“ basiert auf Befragungen von über 1.100 Großunternehmen und 300 Banken-Führungskräften weltweit.
Warum ist das wichtig?
Der Zahlungsverkehr ist eine der profitabelsten Säulen des Bankgeschäfts. Die zunehmende Verbreitung digitaler Zahlungsinstrumente – allen voran Stablecoins und tokenisierte Einlagen – könnte dieses Geschäftsmodell grundlegend verändern. Unternehmen fordern schnellere, günstigere und transparentere grenzüberschreitende Zahlungen. Aktuell sind 74 Prozent der Firmenkunden mit den bestehenden Lösungen unzufrieden: Sie beklagen lange Bearbeitungszeiten (durchschnittlich 3,5 Tage pro Transaktion), hohe Kosten (rund zwei Prozent des Transaktionswerts) und mangelnde Echtzeittransparenz. Die Studie prognostiziert, dass durch den Einsatz intelligenter Geldformen bis zu vier Billionen US-Dollar freigesetzt werden könnten, die derzeit in Abwicklungs- und Liquiditätskonten gebunden sind und kaum Rendite abwerfen.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Anleger in Bankaktien: Die drohenden Ertragsverluste von 230 Milliarden US-Dollar könnten die Gewinnaussichten traditioneller Geldhäuser belasten. Wer in Banken investiert ist, sollte die Strategie der Institute im Bereich digitaler Zahlungen genau verfolgen.
- Firmenkunden und Treasurer: Unternehmen mit hohem grenzüberschreitendem Zahlungsvolumen profitieren von günstigeren und schnelleren Alternativen. Die Studie zeigt, dass fast 60 Prozent der Firmen bereit sind, Stablecoin-Dienstleistungen von Nichtbanken zu beziehen, falls ihre Hausbank nicht nachzieht.
- FinTechs und Krypto-Dienstleister: Die wachsende Nachfrage nach digitalen Zahlungsinstrumenten eröffnet neue Marktchancen. Allerdings bevorzugen 71 Prozent der Unternehmen weiterhin Banken als Anbieter – sofern diese gleichwertige Leistungen bieten.
- Regulierungsbehörden und Zentralbanken: Die Studie unterstreicht den Bedarf an klaren regulatorischen Rahmenbedingungen für Stablecoins und tokenisierte Einlagen, um sowohl Innovation als auch Stabilität zu gewährleisten.
Die Studie identifiziert zudem eine wachsende Kluft zwischen Vorreiterbanken und dem Rest der Branche. Nur 21 Prozent der Institute skalieren bereits mindestens ein Instrument des sogenannten „Accelerated Intelligent Money“. Diese Vorreiter investieren verstärkt in KI-gestützte Überwachungssysteme und Echtzeit-Compliance-Prüfungen. Sie erwarten, rückläufige Transaktionserlöse innerhalb von 15 Monaten auszugleichen – der Branchendurchschnitt liegt bei 25 Monaten. Für Anleger bedeutet dies: Die Fähigkeit einer Bank, sich im digitalen Zahlungsökosystem zu positionieren, wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Die Studie macht deutlich, dass Banken nicht länger abwarten können, sondern aktiv ihre Rolle in diesem neuen Markt definieren müssen – oder riskieren, dauerhaft Marktanteile an Nichtbanken zu verlieren.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.