Stand: 24.09.2026, 16:35 Uhr

Ab 2027 können Riester-Sparer ihr angespartes Guthaben in ein sogenanntes Altersvorsorgedepot übertragen. Das klingt nach einem einfachen Schritt, doch die Praxis ist komplexer. Wer die Fristen und Abläufe nicht kennt, riskiert, monatelang auf die Förderung zu warten oder unnötige Kosten zu zahlen. Der folgende Artikel erklärt, was zu tun ist, warum Eile geboten ist und für wen sich der Wechsel lohnt.

Warum ist das wichtig?

Rund 15 Millionen Riester-Verträge sind in Deutschland aktiv. Viele davon haben hohe Kosten und niedrige Renditen. Das Altersvorsorgedepot, das ab 2027 angeboten wird, verspricht eine flexiblere und potenziell ertragreichere Anlage in ETFs – bei staatlicher Förderung. Der Haken: Die Übertragung ist an strenge Fristen gebunden. Wer den 31. März 2027 verpasst, muss bis September warten. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld, weil das alte Produkt weiter Gebühren frisst. Zudem droht bei falscher Reihenfolge der Verlust von Zulagen in Höhe von mehreren Hundert Euro.

Die entscheidende Frist ist der 31. März 2027. Wer bis dahin die Kündigung des alten Riester-Vertrags mit Übertragungsverlangen einreicht, dessen Guthaben wechselt zum 30. Juni 2027. Wer später kündigt, verschiebt sich um ein ganzes Quartal. Da die Kündigung ein bestehendes Altersvorsorgedepot voraussetzt, müssen Sparer bereits heute handeln: Depot eröffnen, Identitätsprüfung abschließen, Unterlagen bereitlegen. Sonst droht im Januar 2027 ein Ansturm auf die Broker, der zu Verzögerungen führt.

Für wen ist die Meldung relevant?

  • Riester-Sparer mit Altverträgen (vor allem aus den Jahren 2002–2006 mit hohen Garantiezinsen): Sie müssen prüfen, ob der Wechsel lohnt – denn Garantiezins und Rentenfaktor gehen verloren.
  • Sparer mit teuren Riester-Verträgen (Kosten von 1,5 bis 2,5 % pro Jahr): Für sie ist der Wechsel oft finanziell vorteilhaft, da das Altersvorsorgedepot geringere Kosten und höhere Renditechancen bietet.
  • Anleger, die bereits ein ETF-Depot besitzen: Sie können ihr Wissen nutzen, um das Altersvorsorgedepot gezielt zu besparen – aber Achtung: Bestände aus dem normalen Depot lassen sich nicht übertragen.
  • Berufstätige mit Kindern: Sie erhalten hohe Zulagen (bis zu 775 Euro pro Jahr), die bei falscher Reihenfolge gekürzt werden können.

Was ist zu tun?

Der Ablauf ist klar: Heute ein kostenloses Depot eröffnen (z. B. bei einem Neobroker), die Identitätsprüfung erledigen und die Riester-Unterlagen bereitlegen. Bis Ende 2026 den Mindesteigenbeitrag für 2026 leisten, dann den Altvertrag beitragsfrei stellen. Ab Januar 2027 das Altersvorsorgedepot freischalten und den Sparplan umstellen. Bis zum 31. März 2027 die Kündigung einreichen. Wer das beachtet, erhält die Förderung ab dem ersten Euro – 50 Cent pro Euro auf die ersten 360 Euro, danach 25 Cent bis 1.800 Euro Eigenbeitrag. Das sind bis zu 390 Euro Grundzulage statt der festen 175 Euro bei Riester.

Ein wichtiger Kostenpunkt: Der alte Anbieter darf bei Vertragsschluss unter fünf Jahren bis zu 150 Euro verlangen, der neue Anbieter ebenfalls maximal 150 Euro. Diese Kosten sollten eingeplant werden. Dafür entfallen künftig die hohen laufenden Gebühren der alten Verträge. Ein Beispiel: Bei 25.000 Euro Guthaben und 2 % Kosten pro Jahr spart der Wechsel rund 250 Euro in sechs Monaten – allein durch die niedrigeren Gebühren.

Fazit: Der Wechsel ins Altersvorsorgedepot ist eine Chance, aber kein Selbstläufer. Wer jetzt die Weichen stellt, sichert sich die volle Förderung und vermeidet unnötige Kosten. Wer zögert, verliert Zeit und Geld.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.