
Stand: 24.09.2026, 09:51 Uhr
Die US-Regierung hat zum Auftakt des Staatsbesuchs von Chinas Präsident Xi Jinping in Washington eine kurzfristige Entspannung im Handelskonflikt verkündet. Finanzminister Scott Bessent gab am Mittwoch bekannt, dass sich beide Länder auf eine Verlängerung der bestehenden Zollpause um zwei Monate geeinigt hätten. Der Aufschub, der ursprünglich bis zum 10. November galt, soll nun bis zum 10. Januar 2026 verlängert werden. „Das verschafft uns mehr Zeit, um zu prüfen, was wir auf wirtschaftlicher Ebene tun können“, sagte Bessent im Sender Fox News. Auffällig: Von chinesischer Seite gab es zunächst keine offizielle Bestätigung der Einigung. Das Handelsministerium ließ eine Anfrage unbeantwortet, das Außenministerium verwies auf fehlende Zuständigkeit.
Warum ist das wichtig?
Der Handelsstreit zwischen den USA und China belastet seit Monaten die globalen Märkte. Die USA hatten im Frühjahr 2025 die Einfuhrzölle auf chinesische Waren auf bis zu 145 Prozent erhöht, Peking reagierte mit Gegenzöllen von bis zu 125 Prozent und Exportkontrollen auf strategische Rohstoffe wie seltene Erden. Eine dauerhafte Einigung wäre für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung, da viele Unternehmen über Absatzmärkte und Lieferketten eng mit beiden Ländern verbunden sind. Die nun verkündete Verlängerung der Zollpause gibt den Märkten vorerst etwas Luft, doch die Unsicherheit bleibt hoch. Die EU-Handelskammer in China begrüßte die Ankündigung, warnte aber vor „erheblichen Unsicherheiten“ für die Zeit nach dem 10. Januar. Der China-Experte Scott Kennedy vom US-Forschungsinstitut CSIS hatte zuvor erklärt, Peking wünsche sich eine Verlängerung bis zum Ende von Trumps Amtszeit, während Washington nur wenige zusätzliche Monate gewähren wolle, um Druck auf China auszuüben.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Anleger in US- und chinesischen Aktien: Unternehmen wie Apple, Tesla, Amazon, Alphabet und NVIDIA, die stark von den Handelsbeziehungen abhängig sind, könnten von einer Entspannung profitieren. Die Aktienkurse dieser Werte reagieren oft sensibel auf Zollnachrichten.
- Deutsche Exporteure und Industrieunternehmen: Deutschland und Europa sind über Lieferketten und Absatzmärkte eng mit beiden Volkswirtschaften verbunden. Hohe US-Zölle auf chinesische Waren könnten zudem dazu führen, dass chinesische Hersteller ihre Produkte verstärkt nach Europa liefern, was den Wettbewerb verschärft.
- Rohstoff- und Halbleiterinvestoren: Der Streit um seltene Erden und Exportkontrollen auf Halbleiter und KI-Chips betrifft direkt Unternehmen wie NVIDIA und den gesamten Technologiesektor. Eine Verlängerung der Zollpause könnte kurzfristig für Entspannung sorgen, doch die strukturellen Konflikte bleiben bestehen.
- Devisenhändler: Der Handelskonflikt beeinflusst die Wechselkurse von US-Dollar und chinesischem Yuan. Eine Entspannung könnte den Dollar belasten und den Yuan stützen, während eine Eskalation gegenteilige Effekte hätte.
Einordnung für den Leser
Die Ankündigung einer zweimonatigen Zollpause ist ein positives Signal, aber kein Durchbruch. Die fehlende Bestätigung aus Peking zeigt, dass die Verhandlungen weiterhin fragil sind. Xi Jinping betonte in einer schriftlichen Ansprache, dass die USA und China „Partner und keine Rivalen“ sein sollten, und bezeichnete das laufende Jahr als „entscheidend“ für die bilateralen Beziehungen. Die Gespräche in Washington, die mit einem Staatsbankett und Treffen mit US-Wirtschaftsführern wie Elon Musk, Jeff Bezos und Tim Cook fortgesetzt wurden, könnten weitere Fortschritte bringen. Anleger sollten jedoch vorsichtig bleiben: Die grundlegenden Konflikte – etwa um Exportkontrollen für KI-Chips und seltene Erden – sind nicht gelöst. Die Verlängerung gibt den Märkten Zeit, aber keine Sicherheit. Wer in Aktien von Unternehmen mit hohem China-Exposure investiert ist, sollte die Entwicklung genau beobachten und auf volatile Kursbewegungen gefasst sein.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.