
Stand: 24.09.2026, 07:31 Uhr
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat auf ihrer geldpolitischen Sitzung im September den Leitzins wie von der Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet unverändert bei 0,0 Prozent belassen. Die Entscheidung fiel einstimmig. Damit bleibt die Geldpolitik der SNB weiterhin auf expansivem Kurs, obwohl die Teuerung zuletzt leicht angezogen hat.
Warum ist das wichtig?
Die SNB-Entscheidung ist für Devisenanleger und Exportunternehmen gleichermaßen relevant, da der Schweizer Franken als sicherer Hafen in Zeiten globaler Unsicherheit stark nachgefragt wird. Ein zu starker Franken belastet die exportorientierte Schweizer Wirtschaft. Die SNB hat daher in der Vergangenheit immer wieder am Devisenmarkt interveniert, um eine übermäßige Aufwertung zu verhindern.
Die entscheidende Nuance im aktuellen Statement: Während die SNB im Juni noch von einer „erhöhten Bereitschaft“ zur Intervention sprach, heißt es nun lediglich, man sei „bereit, am Devisenmarkt aktiv zu werden“. Diese Abschwächung der Formulierung signalisiert, dass die Dringlichkeit aus Sicht der Währungshüter nachgelassen hat. Der Franken hat seit Juni rund drei Prozent gegenüber dem Euro nachgegeben – die akute Aufwertungsphase scheint vorerst beendet.
Die SNB hob zudem ihre Inflationsprognosen leicht an: Für 2026 wird nun eine Teuerung von 0,7 Prozent erwartet (zuvor 0,6 Prozent), für 2027 und 2028 jeweils 0,8 Prozent (zuvor 0,6 bzw. 0,7 Prozent). Die mittelfristigen Inflationserwartungen bleiben damit moderat und liegen weiterhin unter dem SNB-Zielbereich von knapp zwei Prozent. Die Konjunkturprognose wurde für 2026 auf 1,5 bis 2,0 Prozent angehoben (zuvor 1,0 Prozent).
Als Hauptrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung nennt die SNB die globale Konjunktur, insbesondere eine mögliche weitere Eskalation der Lage im Nahen Osten, die die weltweite Wirtschaftsaktivität dämpfen könnte.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Devisenhändler und Anleger in CHF-Paaren: Die abgeschwächte Interventionsrhetorik könnte den Franken kurzfristig unter Druck setzen. EUR/CHF reagierte prompt mit einem Anstieg von 0,9380 auf 0,9420.
- Exportorientierte Unternehmen in der Schweiz: Ein schwächerer Franken verbessert die Wettbewerbsfähigkeit im Ausland. Die SNB signalisiert, dass sie einer moderaten Franken-Schwäche nicht entgegenwirken wird.
- Anleger mit CHF-Anleihen oder -Geldmarktanlagen: Die Nullzinspolitik bleibt bestehen, negative Realrenditen sind damit weiterhin wahrscheinlich. Ein baldiges Ende der expansiven Geldpolitik ist nicht absehbar.
- Marktbeobachter und Volkswirte: Die SNB betont, dass das Hauptproblem für die Schweizer Wirtschaft auf mittlere Sicht nicht Inflation, sondern eher deflationäre Tendenzen sein könnten. Dies unterstreicht den weiterhin vorsichtigen geldpolitischen Kurs.
Die SNB-Entscheidung zeigt: Die Währungshüter sehen derzeit keinen Handlungsbedarf, die Zügel anzuziehen. Die leichten Inflationsanstiege werden als temporär eingestuft, die Konjunktur bleibt verhalten. Für den Devisenmarkt bedeutet die abgeschwächte Interventionsdrohung mehr Spielraum – der Franken dürfte tendenziell nachgeben, solange keine neuen globalen Krisen die Nachfrage nach sicheren Häfen anheizen.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.