
Stand: 25.09.2026, 02:18 Uhr
Der Emittent des weltweit größten Stablecoins USDT, Tether, hat bestätigt, dass ein Teil seiner Reserven bei der Offshore-Bank EQIBank liegt, die nach einer US-Beschlagnahmung ihrer Barmittel mit der Liquidation droht. Tether betont, dass die betroffene Summe weniger als 0,034 Prozent der Gesamtreserven ausmacht – das entspricht maximal 64 Millionen US-Dollar auf Basis des jüngsten Quartalsberichts. Der Fall wurde zuerst von „The Information“ am 24. September berichtet.
Warum ist das wichtig?
Stablecoins wie USDT sind darauf ausgelegt, stets einen Wert von einem US-Dollar zu haben. Um dieses Versprechen zu halten, müssen die Emittenten ausreichende Reserven in Form von Bargeld, Staatsanleihen und anderen sicheren Anlagen vorhalten. Ein Teil dieser Reserven liegt auf Bankkonten – und genau hier liegt das Risiko: Wenn eine dieser Banken in Schieflage gerät, könnte das die Deckung des Stablecoins gefährden.
EQIBank ist eine in Dominica lizenzierte Offshore-Bank. US-Behörden beschlagnahmten rund 89 Millionen US-Dollar, die über den US-Zahlungsabwickler Capstone Ltd. mit der Bank verbunden waren. Die Staatsanwaltschaft beantragte im Juli eine dauerhafte Einziehung von 84,2 Millionen US-Dollar. EQIBank wehrt sich vor einem Bundesgericht in Kalifornien. Die Bank selbst gab an, dass die beschlagnahmten Gelder etwa 80 Prozent ihrer Barmittel ausmachen, und warnte am 9. September, dass der Verlust zur Liquidation führen könnte.
Für Anleger und Nutzer von USDT ist die Frage entscheidend, ob Tether seine Reserven rechtzeitig und vollständig zurückerhält. Tether hat die genaue Höhe der Einlagen bei EQIBank nicht offengelegt, betont aber, dass die Auswirkungen auf die Gesamtreserven begrenzt seien. Im Falle einer Liquidation müsste Tether als Gläubiger in der Schlange warten und könnte nur einen Teil des Geldes zurückbekommen.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Krypto-Anleger und Trader: Wer USDT hält oder mit Stablecoins handelt, sollte die Entwicklung genau verfolgen. Bislang zeigt der Markt kaum Reaktion: USDT notierte am Freitagmorgen in Asien bei 0,9997 US-Dollar und blieb damit nahe an der 1-Dollar-Bindung. Ein anhaltendes Abweichen vom Kursziel wäre ein ernstes Warnsignal.
- Emittenten von Stablecoins: Der Fall EQIBank verdeutlicht das Kontrahentenrisiko – also das Risiko, dass eine Bank, bei der Reserven liegen, ausfällt. Andere Stablecoin-Emittenten könnten nun ihre Bankbeziehungen überprüfen und transparenter machen, wo genau die Reserven verwahrt werden.
- Regulierungsbehörden: Die Episode könnte die Diskussion über die Aufsicht von Stablecoin-Reserven neu entfachen. Bisher zeigen Reserveberichte, was ein Emittent hält, aber nicht immer, wo es liegt und wie schnell es verfügbar ist. Eine strengere Regulierung könnte folgen.
- Banken mit Krypto-Kunden: Kleinere Offshore-Banken, die Krypto-Firmen bedienen, könnten nun stärker von Kunden und Aufsichtsbehörden hinterfragt werden. Die Frage nach der Sicherheit von Einlagen wird lauter.
Für Trader bleibt der praktische Indikator der USDT-Kurs zum Dollar. Solange dieser stabil bei 1 US-Dollar bleibt, ist die direkte Marktwirkung gering. Sollte sich das ändern, wäre das ein ernstes Signal. Die nächsten Schritte: Wird EQIBank tatsächlich liquidiert? Entscheidet das Gericht in Kalifornien zugunsten der Bank? Tether könnte in seinem nächsten Reservebericht genauere Angaben machen. Ein Sieg von EQIBank vor Gericht würde die Sache wohl schnell beenden. Eine Liquidation würde Tether zu einem Gläubiger machen, der in der Schlange steht – aber bei dieser Größenordnung wäre die Deckung von USDT nicht gefährdet.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.