
Stand: 24.09.2026, 17:07 Uhr
Die angeschlagene Volksbank Braunschweig Wolfsburg (Brawo) zieht die Reißleine bei ihrem Geschäftsfeld Green Energy. Wie das Geldhaus am Donnerstag mitteilte, wird der Betrieb der Sparte zum Jahresende eingestellt. Rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten die Kündigung. Die Bank begründet den Schritt mit einem schwierigen Marktumfeld für erneuerbare Energien und fehlenden Übernahmemöglichkeiten durch Dritte. Die Brawo steht bereits unter dem Rettungsschirm des genossenschaftlichen Stützungsfonds, der mit bis zu 723 Millionen Euro hilft.
Warum ist das wichtig?
Die Schließung der Green-Energy-Sparte ist ein weiterer Meilenstein im tiefgreifenden Umbau der Volksbank Brawo. Das Institut war in den vergangenen Jahren massiv von seinem Kerngeschäft als Regionalbank abgewichen und hatte ein komplexes Netz aus Beteiligungen aufgebaut – darunter Immobilienprojekte, Fitnessstudios und Gastronomie. Diese Strategie führte zu einem hohen Anteil notleidender Kredite von 10,1 Prozent (Stand Juli 2025) und letztlich zur Beantragung von Stützungsmaßnahmen. Die Einstellung des erst 2023 gestarteten Green-Energy-Bereichs zeigt, wie konsequent die Bank nun ihre Risiken abbaut. Für Anleger und Marktbeobachter ist dies ein Signal, dass die Restrukturierung bei der Brawo ernsthaft voranschreitet – auch wenn sie schmerzhafte Einschnitte für die Belegschaft mit sich bringt.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Anleger und Genossenschaftsmitglieder: Wer Anteile an der Volksbank Brawo hält oder Mitglied ist, sollte die Entwicklung genau verfolgen. Die Stützungsmaßnahmen und der Verkauf von Beteiligungen könnten langfristig die Stabilität der Bank verbessern, kurzfristig aber auch zu Verlusten führen.
- Beschäftigte im Finanzsektor: Die Kündigung von 60 Mitarbeitern zeigt, dass selbst in vermeintlich zukunftsträchtigen Bereichen wie erneuerbaren Energien Stellen abgebaut werden, wenn die wirtschaftliche Basis fehlt.
- Investoren in erneuerbare Energien: Die Begründung der Brawo – lange Projektlaufzeiten und eingetrübtes Marktumfeld – gibt Hinweise auf die aktuellen Herausforderungen in der Branche. Wer in Wind- oder Solarprojekte investiert, sollte die Risiken genau abwägen.
- Regionalbanken und Genossenschaftsbanken: Der Fall Brawo ist ein Lehrstück für die Risiken einer zu starken Diversifikation abseits des Kerngeschäfts. Andere Institute könnten ihre Strategien überdenken.
Die Volksbank Brawo treibt ihren Umbau parallel an mehreren Fronten voran: Neben der Schließung der Green-Energy-Sparte trennt sie sich von ihrer Fitnessstudiokette Fitnessland und bringt Immobilien auf den Markt. Auch Gespräche mit der Abwicklungsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken (BAG) laufen, um faule Kredite auszulagern. Für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet dies eine unsichere Zukunft – die Bank verspricht jedoch, sie im Rahmen der gesetzlichen und tariflichen Regelungen bestmöglich zu begleiten.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.