Stand: 24.09.2026, 12:24 Uhr

Die Aktie von Nvidia hat am Donnerstag trotz der Verlängerung der Zollpause zwischen den USA und China nachgegeben. Der Kurs des Chipkonzerns fiel um 0,64 Prozent auf 196,67 Euro. Damit konnte das Papier nicht von der politischen Entspannung profitieren, die US-Finanzminister Scott Bessent mit der Verlängerung des Busan-Abkommens bis zum 10. Januar eingeleitet hatte. Im Wochenverlauf steht dennoch ein Plus von rund fünf Prozent zu Buche. Die Meldung ist für Anleger relevant, da sie die komplexe Gemengelage aus geopolitischen Risiken, steigenden Anleiherenditen und wachsendem Wettbewerb im KI-Chip-Markt widerspiegelt.

Warum ist das wichtig?

Die Verlängerung der Zollpause zwischen Washington und Peking war eigentlich eine positive Nachricht für den Markt, da sie den Handelskonflikt vorerst entschärft. Doch Nvidia konnte nicht davon profitieren, weil mehrere Faktoren gleichzeitig belasten:

  • Zollaufschub bis Januar: Der Aufschub zusätzlicher Zölle bis zum 10. Januar gibt Zeit für Verhandlungen, aber eine Bestätigung aus Peking steht noch aus. Zudem geht es bei den Gesprächen auch um US-Exportkontrollen für KI-Chips – ein Punkt, der Nvidia unmittelbar betrifft. Konzernchef Jensen Huang wird beim Staatsbankett im Weißen Haus erwartet, was die Bedeutung des Themas unterstreicht.
  • Wachsender Wettbewerb in China: Alibaba hat mit dem Zhenwu V900 einen KI-Chip vorgestellt, der dreimal so leistungsstark sein soll wie sein Vorgänger. Die Massenproduktion ist für das erste Quartal 2027 geplant, was den Zeitplan deutlich vorgezogen hat. Auch Huawei beschleunigt die Entwicklung eigener Chips. Nvidias Rechenzentrums-Prozessoren gelten zwar weiterhin als leistungsstärker, aber der Wettbewerbsdruck nimmt zu.
  • Geopolitische Risiken für US-Chipanbieter: Broadcom gerät ins Visier chinesischer Behörden, die den Einsatz seiner Hardware in staatlich unterstützten Einrichtungen prüfen. Sanktionen gibt es bislang nicht, aber die Aktie gab um 1,22 Prozent auf 308,10 Euro nach. Dies zeigt, wie groß das Risiko für US-Chipunternehmen im China-Geschäft geworden ist.
  • Steigende Anleiherenditen: Der Anstieg der Renditen drückt auf die Kurse, da er die Finanzierungskosten erhöht und die Attraktivität von Aktien im Vergleich zu Anleihen mindert. Anleger sehen darin eher als in charttechnischen Marken die Ursache für die jüngste Schwäche. Das Zusammenspiel von Konjunkturdaten und Zinsniveau bleibt kritisch.

Für das laufende Quartal hat Nvidia einen Umsatz von rund 108 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt, ohne Rechenzentrums-Erlöse aus China einzuplanen. Vor den Exportbeschränkungen entfielen schätzungsweise 20 bis 25 Prozent des Rechenzentrumsgeschäfts auf das Land. Eine Lockerung der Exportkontrollen könnte daher zusätzliches Potenzial eröffnen – ob der Gipfel konkrete Schritte bringt, ist jedoch offen.

Für wen ist die Meldung relevant?

Die Meldung ist besonders relevant für:

  • Aktionäre von Nvidia und anderen US-Chipherstellern: Sie müssen die geopolitischen Risiken im China-Geschäft sowie den Wettbewerb durch Alibaba und Huawei im Auge behalten. Die Kursentwicklung hängt stark von den Ergebnissen der Gespräche zwischen Trump und Xi ab.
  • Anleger mit Fokus auf Technologie- und KI-Aktien: Die Entwicklung zeigt, dass politische Entscheidungen und Zinsbewegungen kurzfristig stärker wirken können als Unternehmenszahlen. Die Diskussion um die 200-Euro-Marke bei Nvidia verdeutlicht, dass charttechnische Widerstände im aktuellen Umfeld weniger relevant sind als makroökonomische Faktoren.
  • Beobachter des Handelskonflikts: Die Verlängerung der Zollpause ist ein Signal der Entspannung, aber die Unsicherheit bleibt hoch. Konkrete Zusagen zu Chip-Exporten könnten den Markt beleben, während ein Ausbleiben die Zinsentwicklung wieder in den Vordergrund rücken würde.

In den kommenden Tagen dürfte vor allem entscheidend sein, ob die Gespräche zwischen Donald Trump und Xi Jinping Hinweise auf den künftigen Umgang mit Chip-Exporten liefern. Bleiben konkrete Zusagen aus, könnte die Zinsentwicklung wieder stärker in den Vordergrund rücken. Anleger sollten die Entwicklungen genau verfolgen, aber keine voreiligen Schlüsse ziehen – die Lage bleibt volatil.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.