
Stand: 25.09.2026, 01:52 Uhr
Die Kryptobörse Bitget ist Opfer eines raffinierten Hackerangriffs geworden. Nach ersten Erkenntnissen des Sicherheitsteams gelang es den Angreifern, ein zentrales Backend-System der Wallet-Infrastruktur zu kompromittieren und gefälschte Transferdetails zu erzeugen. Dadurch wurde der reguläre Autorisierungsprozess der Börse ausgelöst, der die Auszahlung von rund 351,6 Millionen US-Dollar in Kryptowährungen genehmigte. Bitget betont, dass die privaten Schlüssel (Private Keys) der Wallets nicht gestohlen wurden. Die Schadensbegrenzung sei abgeschlossen, weitere Verluste seien ausgeschlossen. Die genaue Einstiegsmethode der Hacker wird noch untersucht.
Warum ist das wichtig?
Der Angriff unterscheidet sich grundlegend von klassischen Wallet-Hacks. Statt die kryptografischen Schlüssel zu stehlen, manipulierten die Täter die internen Abläufe der Börse – vergleichbar mit einer Rechnungsfälschung in einem Unternehmen, bei der nicht die Unterschrift des Chefs, sondern das eigene Zahlungssystem ausgetrickst wird. Dies deutet auf eine Schwachstelle in den internen Kontrollen von Bitget hin, nicht auf eine Schwäche der Blockchain-Technologie selbst. Für Anleger ist relevant, dass die gestohlenen Vermögenswerte weiterhin auf dem Markt verkauft werden könnten, was insbesondere bei XRP und Ether für Abgabedruck sorgen könnte. Zudem steht die Glaubwürdigkeit der Börse auf dem Spiel: Bitget-CEO Gracy Chen verspricht, dass ein Schutzfonds von über 465 Millionen US-Dollar sowie Eigenkapital von mehr als einer Milliarde US-Dollar ausreichen, um einen möglichen Ansturm von Auszahlungen zu überstehen. Die Wiedereröffnung der Abhebungen wird der erste echte Test sein.
Für wen ist das interessant?
- Krypto-Anleger: Wer XRP, Ether oder den BGB-Token von Bitget hält, sollte die Entwicklung genau verfolgen. Die gestohlenen Bestände könnten bei Verkauf den Kurs belasten.
- Bitget-Nutzer: Die Wiederaufnahme von Auszahlungen ist entscheidend. Sollte es zu Verzögerungen oder Einschränkungen kommen, könnte das Vertrauen nachhaltig Schaden nehmen.
- Marktbeobachter: Der Fall zeigt, dass Börsen nicht nur gegen externe Hacker, sondern auch gegen interne Manipulationen gewappnet sein müssen. Die mutmaßliche Verbindung zu nordkoreanischen Hackern unterstreicht die geopolitische Dimension solcher Angriffe.
Einordnung und Ausblick
CEO Gracy Chen äußerte in einem Livestream den Verdacht, dass die Angreifer mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Nordkorea stammen. Sie verwies auf IP-Adressen, die mit VPN-Mustern einer mit der DVRK assoziierten Gruppe übereinstimmen. Eine endgültige Bestätigung steht noch aus. Chen zog einen Vergleich zur Bybit-Hack-Serie im Februar 2025, bei der rund 1,5 Milliarden US-Dollar gestohlen wurden. Sie argumentierte, dass Bitget ähnlich groß sei wie Bybit und daher einen Verlust von gut 300 Millionen US-Dollar verkraften könne. Gleichzeitig wies sie Vergleiche mit dem FTX-Skandal zurück: Bitget habe keine Kundengelder zweckentfremdet. Die kommenden Stunden werden zeigen, ob die Börse ihr Versprechen halten kann. Ein detaillierter Untersuchungsbericht soll innerhalb von 24 Stunden nach dem Vorfall veröffentlicht werden und Aufschluss über die genaue Angriffsmethode geben.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.