Stand: 25.09.2026, 01:38 Uhr

Der CLARITY Act, ein zentrales Gesetzesvorhaben zur Regulierung digitaler Vermögenswerte in den USA, ist im Senat knapp gescheitert. Die Vorlage erhielt 49 Ja- bei 50 Nein-Stimmen und verfehlte damit die erforderliche Dreifünftelmehrheit. Das Aus des Gesetzes sorgte zunächst für leichte Kursverluste bei Krypto-Aktien wie Coinbase, Circle und Robinhood. Dennoch sehen Experten den Bullenmarkt bei Bitcoin und Co. nicht gefährdet.

Warum ist das wichtig?

Der CLARITY Act hätte erstmals eine klare Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Rohstoffhandelskommission CFTC für Kryptowährungen geschaffen. Ohne dieses Gesetz bleibt die Regulierung fragmentiert – ein Unsicherheitsfaktor für Anleger und Unternehmen. Allerdings reagieren die Behörden nun eigenständig: SEC-Chef Paul Atkins kündigte an, „mit oder ohne Gesetzgebung“ zu handeln, und legte bereits eine befristete Ausnahmeregelung für tokenisierte Aktien vor. Die CFTC reichte zeitgleich einen eigenen Regelentwurf beim Weißen Haus ein. Das zeigt: Der regulatorische Druck bleibt hoch, auch wenn der Kongress blockiert.

Für wen ist das interessant?

  • Krypto-Investoren: Sie profitieren von der Einschätzung, dass der Markt nicht allein von Gesetzen abhängt.
  • Trader von Coinbase, Circle und Robinhood: Die Aktienkurse reagierten kurzfristig negativ, langfristig könnten Behördenregeln aber Klarheit schaffen.
  • Institutionelle Anleger: Sie beobachten, wie SEC und CFTC ohne Gesetzesgrundlage agieren – das beeinflusst künftige Investitionsentscheidungen.

Einordnung: Warum die Rally weiterlaufen könnte

Matt Hougan, Chief Investment Officer bei Bitwise, revidierte nach dem Scheitern seine pessimistische Prognose. Er hatte zuvor sechs schwierige Wochen für den Markt vorhergesagt, sieht nun aber keinen Grund für einen erneuten Bärenmarkt. Sein Argument: Der Bitcoin-Kurs stieg von rund 57.950 Dollar Anfang Juli auf über 80.000 Dollar, obgleich die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung des CLARITY Act im gleichen Zeitraum von 39 auf 14 Prozent fiel. Wäre der Bullenmarkt vom Gesetz abhängig gewesen, hätte der Kurs fallen müssen. Zudem verweist Hougan auf positive Signale wie die Einführung eines Solana-ETFs durch Morgan Stanley und erste tokenisierte Aktiengeschäfte der Depository Trust and Clearing Corporation. Gleichzeitig warnt er: Behördenregeln sind weniger stabil als ein Gesetz und könnten von künftigen Regierungen geändert werden. Nur der Kongress kann der CFTC dauerhaft weitreichende Befugnisse über den Krypto-Spotmarkt geben. Für Anleger bedeutet das: Die Rally hat Luft nach oben, aber die regulatorische Unsicherheit bleibt ein Risikofaktor.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.