Stand: 23.09.2026, 21:31 Uhr

Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock hat ein Research-Papier veröffentlicht, das eine mögliche Zukunft skizziert: Künstliche Intelligenz (KI) in Form autonomer Agenten könnte zum nächsten großen Kunden für Stablecoins werden. In dem Papier mit dem Titel „The Machine-Native Economy“ argumentiert das Digital-Assets-Forschungsteam, dass KI-Agenten maschinengerechte Zahlungsschienen benötigen – und Stablecoins dafür ideal geeignet seien. Als mögliche Abwicklungsplattformen nennt BlackRock Ethereum und Circles Arc-Netzwerk.

Warum ist das wichtig?

Die Studie ist bemerkenswert, weil sie von BlackRock stammt – einem institutionellen Schwergewicht, das mit seinen ETF-Produkten bereits Milliarden in den Kryptomarkt gelenkt hat. Zwar handelt es sich hier um keine Produkteinführung oder Kapitalzusage, sondern um eine reine Forschungsarbeit. Dennoch verleiht sie der These, dass KI und Krypto konvergieren, institutionelles Gewicht. Das könnte langfristig die Nachfrage nach bestimmten Blockchain-Infrastrukturen und Stablecoins stützen.

Der konkrete Mechanismus: Ein KI-Agent, der etwa Reisen bucht oder Datenanalysen durchführt, muss wiederholt Kleinstbeträge für API-Aufrufe, Datenfeeds oder Rechenleistung bezahlen. Herkömmliche Zahlungssysteme wie Kreditkarten oder ACH seien dafür weniger geeignet, da sie menschliche Kontoeinrichtung erfordern, Kleinstbeträge durch Gebühren unwirtschaftlich machen und nicht in Echtzeit abrechnen. BlackRock verweist auf das offene Zahlungsprotokoll x402 von Coinbase, das Maschinen ermöglicht, in Stablecoins wie USDC zu bezahlen.

Die Marktdaten untermauern das Potenzial: Stablecoins hatten im September eine Umlaufmenge von über 300 Milliarden US-Dollar. Das bereinigte Transaktionsvolumen erreichte 2025 mehr als 11 Billionen US-Dollar und wuchs seit 2020 mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 80 Prozent – verglichen mit rund 8,5 Prozent für ACH. Allerdings bewegte ACH im selben Zeitraum noch etwa 93 Billionen US-Dollar, und BlackRock selbst weist darauf hin, dass die Zahlen nicht direkt vergleichbar sind.

Die oft zitierte Zahl von 5 Billionen US-Dollar ist übrigens keine Stablecoin-Marktgröße, sondern eine externe Schätzung der kumulierten KI-Investitionen von 2025 bis 2030. BlackRock nutzt sie, um eine zweite These zu untermauern: Rechenleistung (Compute) werde zu einer handelbaren Ressource. Die kombinierten Umsätze von Amazon Web Services, Microsofts Intelligent Cloud und Google Cloud könnten bis 2030 auf rund 1,1 Billionen US-Dollar steigen. BlackRock sieht standardisierte Compute-Verträge, die tokenisiert, als Sicherheit hinterlegt und schließlich als börsengehandelte Futures gehandelt werden könnten – und verweist auf Stripe Übernahme von OpenRouter im August als frühes Signal.

Für wen ist die Meldung relevant?

  • Anleger in Ethereum (ETH): Mehr Stablecoin-Aktivität auf Ethereum könnte die Nachfrage nach Blockspace und Validatordiensten erhöhen. Allerdings hängt der Werterhalt für ETH laut BlackRock vom jeweiligen Gebühren-, Staking- und Gas-Sponsoring-Design des Netzwerks ab. Kurzfristig dürften sich ETH-Kurse eher an ETF-Zuflüssen und Makrodaten orientieren als an Zukunftsszenarien.
  • Anleger in Circle (USDC) und Arc: Da USDC selbst Transaktionsgebühren auf Arc zahlt, würde ein Wachstum dort vor allem den Nutzen von USDC vertiefen, nicht die Nachfrage nach einem separaten Token erhöhen.
  • Beobachter des KI- und Krypto-Sektors: Die Studie liefert eine langfristige These zur Konvergenz beider Bereiche, die als Narrativ für Sentiment und Positionierung dienen kann – auch wenn die Autoren einräumen, dass agentengesteuerte Zahlungen und Compute-Marktliquidität derzeit noch begrenzt sind.

Für den Markt bedeutet das Papier keinen direkten Impuls, da BlackRock weder Kapital bindet noch ein neues Produkt auflegt. Eventuelle Effekte dürften über Sentiment laufen, nicht über frische Nachfrage. Der Zeithorizont wird in Jahren gemessen. Anleger sollten die Entwicklung agentengesteuerter Zahlungen als langfristiges Adoptionsthema beobachten – nicht als kurzfristigen Kurstreiber.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.