Stand: 24.09.2026, 04:53 Uhr
Der Kreis Borken im Münsterland ist bekannt für Pferde, Burgen und Schlösser – nicht für die Nordsee, die mehr als 150 Kilometer entfernt liegt. Dennoch hat der Bund den Kreis in einer Gesetzesnovelle offiziell als „Küstenregion“ eingestuft. Diese Entscheidung sorgt in Nordrhein-Westfalen für erheblichen Unmut, da sie direkte Auswirkungen auf die Förderung von Windkraftprojekten hat.
Warum ist das wichtig?
Die Einstufung erfolgte im Rahmen der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die der Bundestag in erster Lesung behandelt. Ziel der Reform ist es, die Förderung von Windkraftanlagen regional zu differenzieren: In Küstenregionen mit starkem Wind soll die Förderung geringer ausfallen als in windärmeren Binnenlandregionen. Die Zuordnung des Kreises Borken zur „Küstenregion“ würde bedeuten, dass dort geplante Windenergieprojekte weniger staatliche Unterstützung erhalten – obwohl die Region geografisch weit von der Küste entfernt liegt.
Laut Landrat Kai Zwicker (CDU) könnten mindestens 15 geplante Windenergieprojekte von dieser Neueinstufung betroffen sein. Die Verwirrung ist groß, denn die Nachbarkreise des Münsterlandes wurden der Region „Mitte Nord“ zugeordnet, die höhere Fördersätze vorsieht. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Anne König spricht von einer „Fehlentscheidung“ und hat das Bundeswirtschaftsministerium um Offenlegung der Berechnungsgrundlagen gebeten. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) nannte die Einstufung den „Gipfel des Unfugs“ und kritisierte, dass der Bund seit Wochen Feedback aus Ländern und Branchen ignoriere.
Das Bundeswirtschaftsministerium verteidigt die Einstufung mit Daten des Umweltbundesamtes: Für die Zuordnung seien die „Windhöffigkeit“ (durchschnittliches Windaufkommen) sowie die Erträge bestehender Anlagen herangezogen worden. Warum ausgerechnet der Kreis Borken dabei als Küstenregion eingestuft wurde, während der nördliche Nachbarkreis Steinfurt nicht betroffen ist, bleibt jedoch unklar. Der Vorgang wirft Fragen zur Sorgfalt bei der Gesetzgebung auf und zeigt, wie technische Fehler in der Verwaltungspraxis zu erheblichen wirtschaftlichen Konsequenzen führen können.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Kommunen und Landkreise in NRW: Die falsche Zuordnung könnte zu Verwirrung bei der Beantragung von Fördermitteln für Windkraftprojekte führen. Andere Regionen mit ähnlicher Windhöffigkeit könnten ebenfalls von fehlerhaften Einstufungen betroffen sein.
- Investoren und Projektentwickler im Bereich Erneuerbare Energien: Wer in Windkraft investiert, muss sich auf verlässliche Rahmenbedingungen verlassen können. Die aktuelle Unsicherheit könnte Projekte verzögern oder gefährden.
- Politische Entscheidungsträger auf Bundes- und Landesebene: Der Fall zeigt, wie wichtig eine sorgfältige Prüfung von Gesetzesvorlagen ist. Die Diskussion um die EEG-Reform wird durch diesen Vorfall zusätzlich belastet.
- Bürger und Steuerzahler: Fehler in der Gesetzgebung kosten Zeit und Geld. Die Korrektur der Einstufung wird bürokratischen Aufwand verursachen, der letztlich von der Allgemeinheit getragen wird.
Die Landesregierung in Düsseldorf hat bereits angekündigt, auf eine Korrektur der Einstufung zu drängen. Ob der Bund die Fehler im weiteren Gesetzgebungsverfahren behebt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der Fall Borken ist ein Lehrstück dafür, wie wichtig präzise Arbeit in der Verwaltung ist – und wie schnell ein vermeintlich kleiner Fehler große Wellen schlagen kann.
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