Stand: 23.09.2026, 13:37 Uhr

Der Rohölmarkt hat eine volatile Woche hinter sich: Brent-Rohöl fiel am Dienstag kurzzeitig unter die Marke von 98 USD, erholte sich jedoch rasch wieder und notiert nun erneut über 100 USD je Barrel. Auslöser des zwischenzeitlichen Rückgangs war die Hoffnung auf eine rasche Wiedereröffnung der Straße von Hormus nach diplomatischen Signalen aus dem Iran. Doch der Fokus der Marktteilnehmer verlagerte sich schnell von der Frage, ob das iranische Angebot ernst gemeint ist, hin zur Dauer, die eine Umsetzung tatsächlich benötigen würde. Der kanadische Dollar (Loonie) profitierte von der Ölrallye, während der US-Dollar zusätzlich von einer hawkishen Woche der US-Notenbank Fed gestützt wurde. Das ungewöhnliche Ergebnis: Beide Währungen legten gleichzeitig zu, während das Währungspaar USD/CAD dennoch leicht anzog.

Warum ist das wichtig?

Die Entwicklung am Devisenmarkt zeigt eine seltene, aber klare Hierarchie: Steigende Ölpreise heben den kanadischen Dollar gegenüber Währungen ohne Energietailwind an. Gleichzeitig sorgt die Kombination aus höheren Ölpreisen und steigenden Zinserwartungen an die Fed dafür, dass der US-Dollar den Loonie sogar noch übertrifft. Dies erklärt, warum beide Währungen gleichzeitig aufwerten können, während USD/CAD dennoch leicht steigt. Für Anleger bedeutet dies, dass die traditionelle Korrelation zwischen Ölpreis und kanadischem Dollar derzeit durch den starken US-Dollar überlagert wird. Die Fed-Vertreter Alberto Musalem, Austan Goolsbee und Susan Collins haben in dieser Woche betont, dass die Geldpolitik weiterhin akkommodierend sei, die Inflation über dem Zielwert bleiben könnte und weitere Zinserhöhungen notwendig sein könnten. Die Märkte preisen daher weiterhin eine signifikante Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Oktober ein. Dies gibt dem Greenback einen eigenständigen Aufwind, den der Loonie nicht hat.

Für wen ist die Meldung relevant?

  • Devisenhändler und Forex-Anleger: Die ungewöhnliche Gleichbewegung von USD und CAD erfordert eine differenzierte Strategie. Wer auf eine klassische Ölpreis-CAD-Korrelation setzt, könnte enttäuscht werden, solange die Fed hawkish bleibt.
  • Rohstoffinvestoren: Die Rückkehr von Brent über 100 USD bestätigt vorerst die Spanne von 100 bis 110 USD. Ein Durchbruch nach unten wäre erst bei konkreten US-Zugeständnissen an den Iran oder einer bestätigten Wiedereröffnung der Straße von Hormus zu erwarten. Das nächste wichtige Unterstützungsniveau liegt bei 94,27 USD.
  • Makroanalysten und Volkswirte: Die diplomatischen Signale aus dem Iran und die Reaktion der Ölmärkte zeigen, wie sensibel die Preise auf geopolitische Entwicklungen reagieren. Gleichzeitig verdeutlicht die Fed-Kommunikation, dass die Geldpolitik der USA ein dominanter Faktor für den Dollar bleibt – unabhängig von Rohstoffpreisen.
  • Portfoliomanager mit Währungsrisiken: Die gleichzeitige Stärke von USD und CAD bedeutet, dass Absicherungsstrategien gegen Dollar-Aufwertung nicht automatisch vor CAD-Verlusten schützen. Eine genaue Analyse der zugrunde liegenden Treiber ist erforderlich.

Die nächste Bewegung am Ölmarkt wird weniger davon abhängen, ob Washington und Teheran miteinander sprechen, sondern vielmehr davon, ob eine Seite konkrete Schritte unternimmt. Solange dies ausbleibt, bleibt die Spanne von 100 bis 110 USD intakt. Für Währungsanleger gilt: Der Loonie braucht weiter steigende Ölpreise, der Dollar hat mit der Fed einen zusätzlichen Trumpf im Ärmel.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.