Stand: 24.09.2026, 07:00 Uhr
Eine Grafik aus den 1870er-Jahren sorgt immer wieder für Aufsehen: Die sogenannte „Periods when to make Money“-Kurve des US-amerikanischen Geschäftsmanns Samuel Benner soll angeblich Börsenkurse vorhersagen können. Im Internet kursiert das historische Modell regelmäßig, besonders wenn es um Marktprognosen geht. Die Kurve basiert auf der Beobachtung von Konjunktur- und Marktzyklen und unterstellt, dass sich Muster der Vergangenheit wiederholen. Für das Jahr 2026 empfiehlt die Grafik, Aktien zu verkaufen. Doch wie verlässlich ist eine 150 Jahre alte Vorhersage wirklich?
Warum ist das wichtig?
Die Faszination für einfache Marktprognosen ist groß. Viele Anleger suchen nach klaren Signalen, wann sie kaufen oder verkaufen sollen. Die Benner-Grafik scheint auf den ersten Blick solche Signale zu liefern – und das mit einer beeindruckenden historischen Treffsicherheit. Rückblickend erkennt die Kurve angeblich den Crash von 1929, das Platzen der Dotcom-Blase 2000 oder den Corona-Crash 2020. Das verleiht ihr eine gewisse Glaubwürdigkeit in Laienkreisen. Allerdings ist die Verlässlichkeit solcher zyklischen Modelle wissenschaftlich umstritten. Ökonomen warnen davor, Anlageentscheidungen allein auf historische Zyklen zu stützen. Der Grund: Politische und wirtschaftliche Schocks – wie Kriege, Pandemien oder Zinswenden – lassen sich nicht aus der Vergangenheit ableiten. Zudem können Grafiken im Nachhinein oft so angepasst werden, dass sie vergangene Ereignisse scheinbar vorhersagen. Echte Prognosen für die Zukunft bleiben dagegen meist vage.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Privatanleger: Wer sein Geld selbst anlegt, sollte verstehen, dass historische Muster keine Garantie für die Zukunft sind. Die Benner-Grafik kann als Diskussionsgrundlage dienen, aber nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage.
- Finanzberater: Kunden fragen möglicherweise nach solchen Modellen. Berater sollten erklären können, warum einfache Zyklen nicht ausreichen, um komplexe Märkte abzubilden.
- Marktbeobachter und Analysten: Die Diskussion um die Benner-Kurve zeigt, wie stark der Wunsch nach einfachen Erklärungen in der Finanzwelt ist. Sie ist ein Beispiel für die Grenzen technischer Analyse.
Die Benner-Grafik bleibt ein faszinierendes historisches Dokument. Sie zeigt, dass Menschen schon im 19. Jahrhundert versuchten, Muster in den Märkten zu erkennen. Für die heutige Geldanlage ist sie jedoch kein verlässlicher Kompass. Wer sein Portfolio langfristig aufbaut, sollte auf eine breite Streuung, aktuelle Fundamentaldaten und eine klare Strategie setzen – nicht auf eine 150 Jahre alte Kurve.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.