Stand: 25.09.2026, 01:14 Uhr

Die Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Prognosen für das Währungspaar US-Dollar/Japanischer Yen (USD/JPY) deutlich nach unten korrigiert. Wie die Bank am Donnerstag mitteilte, erwarten die Devisenstrategen nun einen Kurs von 158 Yen in drei Monaten, 155 Yen in sechs Monaten und 150 Yen in zwölf Monaten. Bislang hatte Goldman mit 162, 163 und 165 Yen gerechnet. Die Anpassung ist eine markante Kehrtwende: Noch im Juli hatte die Bank die Prognosen angehoben und zählte zu den größten Pessimisten in Bezug auf die japanische Währung.

Warum ist das wichtig?

Die neue Prognose von Goldman Sachs ist aus mehreren Gründen bedeutsam. Erstens handelt es sich um eine der einflussreichsten Adressen im Devisenhandel. Eine Senkung des Zwölfmonatsziels um 15 Yen hat Gewicht und gibt den Yen-Bullen Rückenwind, während USD/JPY auf die Marke von 160 Yen zusteuert. Zweitens signalisiert die Revision einen grundlegenden Stimmungswandel: Die Bank of Japan (BOJ) wird aggressiver, und Goldman erkennt darin einen Wendepunkt für die japanische Währung.

Die Bank begründet ihre optimistischere Yen-Einschätzung mit mehreren Faktoren:

  • Schnellere Zinswende der BOJ: Die japanische Notenbank hob den Leitzins im September auf 1,25 Prozent an. Gouverneur Kazuo Ueda sprach von einer neuen Phase der Geldpolitik, in der es nun darum gehe, die Inflation stabil bei zwei Prozent zu halten, statt sie weiter anzuheizen. Goldman argumentiert, dass schnellere BOJ-Zinserhöhungen den inflationären Effekt der expansiven Fiskalpolitik Japans ausgleichen.
  • Rückkehr japanischen Kapitals: Die Bank sieht steigende Chancen, dass japanische Anleger ihr Geld aus dem Ausland zurückholen. Zwar räumt Goldman ein, dass diese Repatriierungsgeschichte bislang weitgehend spekulativ ist, doch die Wahrscheinlichkeit nehme zu. Sollte japanisches Kapital tatsächlich in die Heimat zurückfließen, könnten Carry-Trades – bei denen Anleger Yen leihen, um in höher verzinste Anlagen zu investieren – schnell aufgelöst werden.
  • Interventionsrisiko: Die Drohung weiterer Interventionen durch die japanischen Behörden dürfte die Gewinne des Dollars gegenüber dem Yen begrenzen. Tokio hat in diesem Jahr bereits am Markt eingegriffen.
  • Yen als Rezessionsabsicherung: Goldman empfiehlt Long-Positionen im Yen nun ausdrücklich als Absicherung gegen ein Rezessionsrisiko. In einem Umfeld globaler Konjunktursorgen könnte der Yen als sicherer Hafen profitieren.

Taktisch bevorzugt Goldman derzeit den Verkauf des Euro gegen den Yen (EUR/JPY) anstatt direkte Wetten gegen den Dollar. Dies deutet darauf hin, dass die Bank kurzfristig die Unterstützung durch die hohen US-Renditen respektiert. Die US-Zehnjahresrenditen liegen weiterhin über 5,2 Prozent und stützen den Dollar.

Für wen ist die Meldung relevant?

Die Prognoseänderung ist für verschiedene Marktteilnehmer von Interesse:

  • Devisenhändler und Investoren: Wer auf einen schwächeren Yen setzt, sollte die neue Einschätzung von Goldman beachten. Die Bank signalisiert, dass der Abwärtstrend des Yen gestoppt sein könnte. Für Anleger mit Yen-Exposure oder Japan-Engagement ergeben sich neue Perspektiven.
  • Carry-Trader: Die größte Gefahr für den Markt liegt in der Auflösung von Carry-Trades. Wer in Yen finanzierte Positionen in höher verzinsten Währungen wie dem australischen Dollar (AUD/JPY) hält, muss mit Gegenwind rechnen. Der AUD/JPY leidet unter einem doppelten Effekt: einem stärkeren Yen und der sich verringernden Zinsdifferenz zwischen BOJ und Reserve Bank of Australia.
  • Japanische Anleger und Unternehmen: Sollte sich die Repatriierung japanischen Kapitals tatsächlich beschleunigen, hätte dies weitreichende Folgen für die globalen Kapitalmärkte. Japanische Investoren sind große Halter von US-Staatsanleihen und anderen ausländischen Vermögenswerten.
  • Exporteure und Importeure: Ein stärkerer Yen belastet japanische Exporteure, da ihre Produkte im Ausland teurer werden. Importeure hingegen profitieren von günstigeren Einkaufspreisen.

Die neue Prognose von Goldman Sachs ist ein klares Signal: Die Bank of Japan hat mit ihrer aggressiveren Gangart die Spielregeln am Devisenmarkt verändert. Ob sich die Yen-Erholung tatsächlich materialisiert, hängt jedoch entscheidend davon ab, ob die japanische Notenbank ihren Kurs beibehält und ob die US-Konjunktur und die Zinspolitik der Federal Reserve mitspielen. Jede frische Intervention aus Tokio wäre der schnellste Weg zu Goldmans niedrigeren Zielen.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.