
Stand: 23.09.2026, 15:45 Uhr
Ein Analyst von Melius Research hat mit einer ungewöhnlich optimistischen Prognose für die Intel-Aktie für Aufsehen gesorgt. Ben Reitzes hält es für möglich, dass der Kurs des Chipherstellers innerhalb von zwei Jahren auf 200 US-Dollar steigen könnte. Diese Einschätzung stützt er vor allem auf das wachsende Foundry-Geschäft, also die Auftragsfertigung von Halbleitern. Die Aktie notierte zuletzt bei rund 111 Euro, was einer Verdopplung des aktuellen Niveaus entspräche. Die Meldung ist für Anleger relevant, da sie eine extreme Abweichung vom durchschnittlichen Analystenkonsens darstellt und die strategische Neuausrichtung von Intel in den Fokus rückt.
Warum ist das wichtig?
Intel befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Das Unternehmen investiert massiv in den Aufbau einer eigenen Foundry-Sparte, um unabhängiger von asiatischen Fertigungsstandorten wie Taiwan zu werden. Diese Strategie wird von der US-Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit unterstützt. Reitzes argumentiert, dass dieser Bereich in den kommenden Jahren erheblich an Wert gewinnen könnte. Seine Prognose basiert auf einer sogenannten Sum-of-the-Parts-Bewertung, bei der die einzelnen Geschäftsbereiche separat bewertet werden. Demnach könnte das Foundry-Geschäft allein einen Wert von 80 US-Dollar pro Aktie haben, das Produktgeschäft ebenfalls 80 US-Dollar. Hinzu kommen strategische Partnerschaften mit Unternehmen wie Apple, Tesla oder NVIDIA, die als potenzielle Kunden für Intels 14A-Fertigungsprozess genannt werden. Allerdings handelt es sich hierbei um ein Szenario, das an mehrere Bedingungen geknüpft ist: Der 14A-Prozess muss 2028 in die Massenproduktion gehen, und es müssen verbindliche Kundenverträge vorliegen. Ohne diese Meilensteine bleibt die Prognose spekulativ.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Langfristig orientierte Anleger: Wer auf eine Erholung und Neuausrichtung von Intel setzt, findet hier eine extrem bullische Perspektive. Allerdings sollte klar sein, dass es sich um eine Wette auf mehrere noch unbestätigte Entwicklungen handelt.
- Kurzfristig orientierte Trader: Die hohe Volatilität der Intel-Aktie und die Diskrepanz zwischen Analystenmeinungen bieten Chancen für spekulative Positionen, bergen aber auch erhebliche Risiken.
- Beobachter der Halbleiterbranche: Die Diskussion um Intels Foundry-Pläne ist ein wichtiger Indikator für die geopolitische und technologische Entwicklung der Chipindustrie. Die Meldung zeigt, wie stark der Wettlauf um heimische Produktionskapazitäten die Bewertungen beeinflusst.
Der Markt reagiert insgesamt zurückhaltend. Von 32 Analysten, die Intel bewerten, raten 23 zu „Halten“, nur sieben zu „Kaufen“. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 118 US-Dollar – weit unter der 200-Dollar-Marke. Reitzes selbst hat ein offizielles Kursziel von 165 US-Dollar, das bereits am oberen Rand der Spanne liegt. Die 200-Dollar-These ist daher eher als ambitionierte Modellrechnung denn als konkrete Kaufempfehlung zu verstehen. Anleger sollten die Entwicklung der Foundry-Sparte und mögliche Kundenbekanntgaben genau verfolgen, bevor sie auf Basis dieser Prognose handeln.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.