
Stand: 24.09.2026, 12:18 Uhr
Der US-Dollar zeigt sich am Donnerstagmorgen gegenüber allen sieben Hauptwährungen gestärkt. Auslöser ist der anhaltende Anstieg der langfristigen Anleiherenditen, der die Aktienmärkte weltweit unter Druck setzt. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe notiert bei 5,1226 Prozent und damit nahe dem höchsten Stand seit 2007. Auch die 30-jährige Rendite zog weiter an. Belastend wirken zudem die gestiegenen Ölpreise, die die Inflationssorgen neu anfachen. Vor dem Hintergrund des heute erwarteten Treffens zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping sowie wichtiger US-Konjunkturdaten ist die Nervosität an den Märkten hoch.
Warum ist das wichtig?
Die Kombination aus steigenden Anleiherenditen, einem starken Dollar und höheren Rohölpreisen schafft ein schwieriges Umfeld für Aktien. Höhere langfristige Renditen erhöhen den Diskontierungssatz für zukünftige Unternehmensgewinne und verteuern Kredite. Das belastet insbesondere wachstumsstarke Technologiewerte. Die US-Aktienfutures deuten auf einen schwachen Handelsstart hin: Der Dow Jones Industrial Average wird rund 178 Punkte tiefer erwartet, der S&P 500 verliert 38 Punkte und der Nasdaq 100 sogar 274 Punkte. Der Dollar profitiert von dieser Risikoaversion. Besonders stark zeigt sich der Greenback gegenüber dem japanischen Yen (USD/JPY +0,28 Prozent auf 158,74). Auch gegenüber dem Schweizer Franken (+0,23 Prozent) und dem kanadischen Dollar (+0,09 Prozent) legt er zu. Der Euro gibt leicht nach (EUR/USD -0,04 Prozent auf 1,1375), ebenso das Pfund (GBP/USD -0,07 Prozent auf 1,3228).
Die Renditekurve der US-Treasuries sendet indes gemischte Signale: Während die kurzfristigen Renditen (2 Jahre: 4,8661 Prozent, -2,89 Basispunkte) leicht nachgeben, steigen die langfristigen Sätze weiter. Dieses Muster zeigt sich global: Japans zehnjährige Rendite klettert auf rund 3,08 Prozent – der höchste Stand seit 1996. Deutschlands Rendite liegt nahe 3,57 Prozent (Höchststand seit 2009), auch Großbritannien und Frankreich verzeichnen mehrjährige Höchststände. Die europäischen Börsen reagieren verhalten: Der DAX gibt 0,30 Prozent nach, der CAC 40 verliert 0,25 Prozent, während der FTSE 100 leicht im Plus liegt (+0,08 Prozent).
Am Rohstoffmarkt steigt der Preis für ein Fass der Sorte WTI um 1,26 Prozent auf 93,32 US-Dollar. Gold fällt dagegen um rund 24 Dollar auf 4.263 US-Dollar, Silber verliert 1,34 Prozent. Auch Bitcoin gibt nach: minus 1,08 Prozent auf 83.472 US-Dollar.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Devisenhändler: Die Dollar-Stärke ist breit angelegt, aber ungleichmäßig. Während USD/JPY deutliche Dynamik zeigt, bewegt sich EUR/USD nur minimal. Das eröffnet differenzierte Handelsansätze.
- Anleiheinvestoren: Der Anstieg der langfristigen Renditen in den USA und global verändert die Bewertung von festverzinslichen Wertpapieren. Die inverse Zinsstruktur bleibt ein wichtiges Signal.
- Aktienanleger: Höhere Renditen und ein starker Dollar belassen den Druck auf Aktien, insbesondere auf Technologie- und Wachstumswerte. Die heutigen US-Arbeitsmarktdaten (Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe) könnten die Richtung vorgeben.
- Rohstoffhändler: Der Ölpreisanstieg verstärkt die Inflationssorgen und könnte die Geldpolitik der Notenbanken weiter beeinflussen.
- Politisch interessierte Anleger: Das Treffen zwischen Trump und Xi birgt Potenzial für überraschende Marktbewegungen, insbesondere mit Blick auf Handelsfragen und den Nahen Osten.
Die heutigen US-Konjunkturdaten stehen ganz im Zeichen der Arbeitsmarkt- und Inflationserwartungen. Um 14:30 Uhr MEZ werden die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht (erwartet: 201.000 nach 196.000 in der Vorwoche). Auch die fortgesetzten Anträge (erwartet: 1,75 Millionen) und das Leistungsbilanzdefizit des zweiten Quartals (erwartet: 255 Milliarden US-Dollar) stehen auf der Agenda. Zudem sprechen mehrere Fed-Vertreter, darunter Thomas Barkin und Beth Hammack. Am Abend folgt die Auktion siebenjähriger US-Staatsanleihen. Ein schwächerer Arbeitsmarktbericht könnte die jüngste Renditebewegung infrage stellen, ein fester Wert würde die Erwartung einer restriktiven Fed untermauern. Die Reaktionen an den Märkten werden zeigen, wie Händler die Daten einordnen.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.