Stand: 24.09.2026, 06:05 Uhr
Die deutsche Wirtschaft steckt in einer Phase der Stagnation fest, und der Druck auf Unternehmen wächst. Das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen Restrukturierungsstudie der Unternehmensberatung Roland Berger. Für Anleger und Marktteilnehmer ist die Studie ein wichtiger Gradmesser für die strukturelle Gesundheit der deutschen Wirtschaft und zeigt, in welchen Branchen der Anpassungsdruck am höchsten ist.
Warum ist das wichtig?
Die Studie, für die 130 Restrukturierungsexperten aus dem deutschsprachigen Raum befragt wurden, zeichnet ein düsteres Bild der konjunkturellen Lage. 65 Prozent der Befragten erwarten für die kommenden zwölf Monate eine unveränderte Wirtschaftsleistung, 29 Prozent sogar ein schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt. Nur sechs Prozent rechnen mit Wachstum. Diese Stagnation ist nicht nur eine konjunkturelle Delle, sondern eine strukturelle Herausforderung, die Unternehmen zwingt, sich grundlegend neu aufzustellen.
Die Folgen sind bereits jetzt spürbar: 83 Prozent der Experten berichten von einer Zunahme der Restrukturierungsfälle. Besonders alarmierend: 21 Prozent sehen einen starken Anstieg – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Gleichzeitig werden die Prozesse komplexer und dauern länger. 61 Prozent der Befragten geben an, dass Restrukturierungen mehr Zeit in Anspruch nehmen, 56 Prozent sehen komplexere Finanzierungsstrukturen. Dies liegt unter anderem an den gestiegenen Belastungen: 65 Prozent der Experten nennen Bürokratie und Regulierung als größtes Risiko, gefolgt von Energiepreisen (53 Prozent) und geopolitischen Spannungen (51 Prozent).
Für wen ist die Meldung relevant?
Die Studie ist für ein breites Spektrum von Marktteilnehmern relevant:
- Aktionäre und Anleger: Sie erhalten einen Überblick über Branchen mit erhöhtem Restrukturierungsbedarf, wie die Automobilindustrie (87 Prozent), den Maschinen- und Anlagenbau (54 Prozent) und die Chemiebranche (31 Prozent). Dies kann als Frühwarnsignal für mögliche Gewinnwarnungen oder Kapitalmaßnahmen dienen.
- Unternehmenslenker und Manager: Die Studie zeigt, dass reines Durchhalten nicht mehr ausreicht. Unternehmen müssen aktiv in die Transformation gehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Besonders wichtig sind belastbare Geschäfts- und Liquiditätsplanungen (61 Prozent) sowie ein ambitioniertes Maßnahmenprogramm (38 Prozent).
- Banken und Investoren: Die zunehmende Komplexität von Finanzierungsstrukturen und die längeren Restrukturierungsprozesse erhöhen das Risiko für Kreditausfälle. Gleichzeitig gewinnen transaktionale Sanierungen, wie Verkäufe von Unternehmensteilen, an Bedeutung – 72 Prozent der Experten erwarten hier eine Zunahme.
- Berater und Dienstleister: Die Nachfrage nach Restrukturierungs- und Transformationsberatung wird weiter steigen. KI bietet dabei neue Chancen, die Prozesse zu beschleunigen, auch wenn der flächendeckende Einsatz noch in den Kinderschuhen steckt.
Ein besonderes Augenmerk legt die Studie auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in Restrukturierungsprozessen. 74 Prozent der Befragten erwarten durch KI eine schnellere Diagnose und Umsetzung, 65 Prozent geringere Prozesskosten. Allerdings ist die Technologie in der Praxis noch kaum verankert: Kein Befragter berichtet von einem breitflächigen Einsatz, 45 Prozent haben lediglich Pilotprojekte gestartet. Die Experten fordern klare Leitplanken: 56 Prozent legen Wert auf hohe Qualität der KI-Ergebnisse, 50 Prozent auf Datensicherheit und 49 Prozent auf vollständige Transparenz. Der Mensch bleibt laut Studie klar in der Führungsrolle – 89 Prozent sehen ihn auch künftig als Entscheider.
Für Anleger bedeutet dies: Die Stagnation ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine neue Realität. Unternehmen, die jetzt in die Transformation investieren und KI gezielt einsetzen, könnten langfristig gestärkt aus der Krise hervorgehen. Wer dagegen abwartet, riskiert, von der Konkurrenz überholt zu werden. Die Studie von Roland Berger ist daher ein wichtiger Kompass für die Kapitalmärkte, um Risiken und Chancen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld besser einschätzen zu können.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.