Stand: 24.09.2026, 06:04 Uhr

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird heute voraussichtlich ihren Leitzins bei 0 Prozent belassen. Das ist zwar die einhellige Erwartung der von Reuters befragten Ökonomen, doch der eigentliche Fokus liegt auf den Aussagen zur Inflation und zum Schweizer Franken. Denn während die meisten Zentralbanken weltweit mit zu hoher Inflation kämpfen, sorgt sich die Schweiz weiterhin um das Gegenteil: eine zu niedrige Teuerung, die in eine Deflation abrutschen könnte.

Warum ist das wichtig?

Die SNB definiert Preisstabilität als eine Inflation zwischen 0 und 2 Prozent. Im August stieg die Teuerung zwar auf 0,8 Prozent – den höchsten Stand seit 2024. Doch dieser Anstieg ist trügerisch: Er geht fast vollständig auf höhere Energiepreise zurück. Die Kerninflation, die schwankungsanfällige Komponenten wie Energie und Lebensmittel ausklammert, liegt bei lediglich 0,4 Prozent. Damit ist die Schweiz ein Sonderfall. Der starke Franken wirkt wie ein natürlicher Inflationspuffer: Er macht Importe billiger und dämpft so die Preisentwicklung. Die SNB selbst hat anerkannt, dass die Aufwertung des Frankens die Inflation bremst. Das Problem: Liegt die Inflation dauerhaft nahe null, steigt das Risiko einer Deflation – also fallender Preise. Das kann Konsum und Investitionen lähmen und die Wirtschaft belasten. Die SNB steht daher vor einer anderen Herausforderung als die EZB oder die Fed. Während diese die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen, könnte die SNB gezwungen sein, gegenzusteuern, falls die Teuerung wieder zu stark nachlässt.

Für wen ist die Meldung relevant?

  • Anleger mit Franken-Positionen: Wer in CHF-Anleihen, Aktien oder Devisen investiert ist, sollte die SNB-Kommunikation genau verfolgen. Hinweise auf Interventionen oder gar negative Zinsen könnten den Franken schwächen.
  • Exportorientierte Unternehmen: Ein starker Franken belastet die Wettbewerbsfähigkeit. Die SNB könnte versuchen, dies durch Devisenmarktinterventionen zu mildern.
  • Anleger mit internationalem Portfolio: Die Schweizer Geldpolitik unterscheidet sich zunehmend von der anderer Notenbanken. Das kann Auswirkungen auf globale Kapitalströme und Wechselkurse haben.
  • Beobachter der Zinswende: Die SNB könnte als erste große Zentralbank wieder zu negativen Zinsen greifen – ein Signal, das weltweit Beachtung fände.

Einordnung und Ausblick

Die heutige Zinsentscheidung ist Formsache. Spannend wird, ob die SNB ihre Inflationsprognose senkt und wie sie sich zum Franken äußert. Bislang signalisiert sie erhöhte Interventionsbereitschaft, um eine übermäßige Aufwertung zu verhindern. Negative Zinsen sind nicht vom Tisch, auch wenn die SNB sie wegen ihrer Nebenwirkungen scheut. Sollten die Ölpreise steigen oder die Lage im Nahen Osten eskalieren, könnte die SNB zunächst abwarten. Doch mittelfristig droht der Schweiz erneut das Gespenst der Deflation – ein Problem, das die meisten anderen Länder derzeit nicht kennen.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.