Stand: 24.09.2026, 00:17 Uhr
Die chinesische Zentralbank (PBoC) hat am Dienstag den täglichen Referenzkurs des Yuan gegenüber dem US-Dollar auf 6,7184 festgelegt. Diese sogenannte Fixing-Rate ist einer der wichtigsten Indikatoren für die asiatischen Devisenmärkte. In den vergangenen Wochen hat die PBoC ihre Strategie geändert: Statt die Aufwertung des Yuan zu bremsen, lässt sie nun eine stärkere Währung zu. Das hat weitreichende Folgen für Anleger, Exporteure und die globale Währungsordnung.
Warum ist das wichtig?
China betreibt ein gelenktes Wechselkurssystem. Der Yuan darf im Onshore-Handel um maximal zwei Prozent um den täglich festgelegten Mittelkurs schwanken. Die Fixing-Rate ist daher kein rein technischer Wert, sondern ein politisches Signal. Ein schwächerer als erwarteter Fixing-Kurs signalisiert, dass die PBoC eine Abwertung toleriert oder sogar wünscht. Ein stärkerer Kurs zeigt dagegen, dass die Zentralbank eine Aufwertung zulässt oder fördert.
Fast ein Jahr lang setzte die PBoC den Fixing-Kurs schwächer an als von den Märkten erwartet. Das wurde als Versuch interpretiert, die Yuan-Aufwertung zu verlangsamen. Im August erreichte diese Abweichung den größten Wert seit Februar. Doch im September hat sich das Blatt gewendet: Die PBoC hat den Fixing-Kurs an acht aufeinanderfolgenden Handelstagen angehoben – die längste Serie seit 2023. Der Mittelkurs erreichte den höchsten Stand seit Februar 2023. Der Onshore-Yuan notiert so stark wie zuletzt im Januar 2023, der Offshore-Yuan sogar auf dem Niveau von Juli 2022.
Analysten von Goldman Sachs sehen darin eine diplomatisch motivierte Strategie. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Gipfeltreffens zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping sei eine festere Währung üblich. Die PBoC signalisiere damit Kooperationsbereitschaft. Allerdings bleibt die Fixing-Rate weiterhin unter den Markterwartungen – zuletzt lag sie mehr als 500 Basispunkte unter einer Reuters-Umfrage. Das zeigt: Peking lässt die Aufwertung zu, aber nur in dem Tempo, das es selbst bestimmt.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Devisenhändler und Investoren: Die tägliche Fixing-Rate ist ein zentraler Indikator für die Richtung des Yuan. Wer auf asiatische Währungen setzt, muss die Signale der PBoC genau verfolgen. Die aktuelle Entwicklung spricht für eine weitere, aber kontrollierte Aufwertung.
- Exporteure und Importeure: Ein stärkerer Yuan verteuert chinesische Exporte, was die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Unternehmen beeinträchtigen kann. Gleichzeitig sinken die Importkosten, was vor allem Rohstoffimporteuren zugutekommt. Unternehmen mit China-Exposure sollten ihre Währungsrisiken überprüfen.
- Anleger in chinesischen Aktien und Anleihen: Ein festerer Yuan macht chinesische Vermögenswerte für ausländische Investoren attraktiver, da Währungsgewinne hinzukommen. Allerdings könnte eine zu schnelle Aufwertung die Konjunktur belasten, was wiederum die Unternehmensgewinne drückt.
- Notenbanken und Zentralbankstrategen: Die chinesische Geldpolitik hat Auswirkungen auf die globalen Kapitalströme. Eine kontrollierte Yuan-Aufwertung kann Kapitalabflüsse aus China bremsen und die Stabilität der asiatischen Finanzmärkte fördern.
Für Anleger bleibt entscheidend, wie sich die Lücke zwischen dem tatsächlichen Fixing-Kurs und den Markterwartungen entwickelt. Schließt sie sich weiter, dürfte die PBoC eine stärkere Aufwertung zulassen. Bleibt sie bestehen, handelt es sich eher um eine Lockerung der Bremse als um eine vollständige Freigabe. Die nächsten Wochen, insbesondere nach dem Trump-Xi-Gipfel, werden zeigen, ob Peking den Yuan weiter steigen lässt oder wieder auf die Bremse tritt.
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