Stand: 24.09.2026, 20:14 Uhr
Der umstrittene Tech-Milliardär Peter Thiel hat bei der Verleihung des Axel Springer Awards in Berlin scharf gegen die Medienlandschaft ausgeholt. In seiner Dankesrede am Donnerstagabend kritisierte der Mitgründer des Softwarekonzerns Palantir weite Teile der Presse als „sehr, sehr einseitig“ und fragte sich, warum so viele Medien „zu einer Art linken Hassfabrik verkommen“ seien. Die Medienlandschaft sei „bei weitem nicht so frei, wie wir es uns wünschen würden“, so Thiel.
Warum ist das wichtig?
Die Äußerungen des deutschstämmigen Investors sind brisant, weil sie eine grundsätzliche Debatte über Medienfreiheit und politische Ausgewogenheit in Deutschland und den USA neu entfachen. Thiel, der für seine libertären und rechtskonservativen Positionen sowie seine Nähe zu Donald Trump bekannt ist, nutzte die Bühne des renommierten Verlagshauses, um eine Fundamentalkritik an der journalistischen Berichterstattung zu formulieren. Gleichzeitig lobte er Springer-Chef Mathias Döpfner und die US-Journalistin Bari Weiss als „Gegenstimmen“ und würdigte deren „Mut“. Ohne Menschen wie sie wäre die Lage „wirklich sehr, sehr schlecht“, sagte Thiel.
Die Preisverleihung selbst war von Protesten begleitet. Mehr als 200 Menschen demonstrierten nach Polizeiangaben friedlich vor dem Axel-Springer-Gebäude gegen die Ehrung Thiels. Linke Gruppen hatten zu dem Protest aufgerufen. Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hatte die Auszeichnung im Vorfeld kritisiert. Während der Zeremonie drang zudem ein Störer mit einem Transparent auf die Bühne, auf dem „They know that we know that they lie“ („Sie wissen, dass wir wissen, dass sie lügen“) stand. Der Mann wurde von Sicherheitskräften entfernt, verletzt wurde niemand.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Anleger und Aktionäre von Palantir: Thiels öffentliche Äußerungen können das Image des Unternehmens beeinflussen, das mit seinen Datenanalyseprodukten bereits in der Kritik steht. Die Debatte um Sicherheitsbehörden und den Einsatz von Palantir-Software in Deutschland könnte durch Thiels medienpolitische Positionen neue Nahrung erhalten.
- Medien- und Tech-Beobachter: Die Rede zeigt die zunehmende Polarisierung in der Medienlandschaft und die Rolle von Tech-Milliardären als Meinungsmacher. Thiel steht exemplarisch für eine Strömung, die traditionelle Medien als zu links und zu wenig kritisch gegenüber dem Establishment sieht.
- Politisch Interessierte: Thiel äußerte sich auch zum Wahlerfolg der Linken in Berlin. Er könne verstehen, warum Menschen die Partei wählten, da Wohnen zu teuer und zu stark reguliert sei. Allerdings warnte er: Mit Mietpreisbindungen werde man Berlin „in ein Elendsviertel verwandeln“. Diese Aussagen sind relevant für die aktuelle wohnungspolitische Debatte in deutschen Großstädten.
Der Axel Springer Award wird seit 2016 an Persönlichkeiten verliehen, die laut Verlag „in herausragender Weise Märkte verändern“. Frühere Preisträger sind unter anderem Facebook-Chef Mark Zuckerberg, Amazon-Gründer Jeff Bezos, Tesla-Chef Elon Musk und Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web. Thiel ist der zehnte Preisträger. Die Auszeichnung ist nicht dotiert.
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