Stand: 24.09.2026, 20:16 Uhr

Die australische Notenbank (RBA) steht vor einer deutlichen Zinserhöhung: 33 von 34 befragten Ökonomen rechnen für die Sitzung am Dienstag, den 29. September 2026, mit einer Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte auf 4,60 Prozent. Das wäre der höchste Stand seit Ende 2011 und die vierte Zinserhöhung im laufenden Jahr – insgesamt 100 Basispunkte Straffung. Die Umfrage von Reuters, die am Freitagmorgen (Ortszeit Sydney) veröffentlicht wurde, zeigt einen markanten Stimmungswandel: Noch vor einem Monat erwartete fast die gesamte Ökonomenriege ein Abwarten der RBA im September. Der damalige Median sah den Leitzinsgipfel bei 4,35 Prozent. Treiber der Kehrtwende ist die hartnäckige Kerninflation.

Warum ist das wichtig?

Die RBA-Entscheidung ist richtungsweisend für die Geldpolitik in einer der größten Volkswirtschaften des asiatisch-pazifischen Raums. Ein Zinsschritt auf 4,60 Prozent würde die australische Geldpolitik weiter von den meisten G10-Notenbanken abkoppeln, die zuletzt eher auf Lockerung setzten. Das hat direkte Auswirkungen auf den australischen Dollar (AUD), insbesondere in den Währungspaaren AUD/JPY und AUD/NZD. Zudem signalisiert die erwartete Erhöhung, dass die RBA die Inflation weiterhin als größtes Risiko betrachtet – trotz einer zuletzt gestiegenen Arbeitslosenquote von 4,6 Prozent (höchster Stand seit 2021). Die Kerninflation (getrimmter Mittelwert) verharrte im Juli bei 3,6 Prozent, während die RBA für Ende des Jahres 3,3 Prozent prognostiziert. Das Wirtschaftswachstum lag im zweiten Quartal leicht über dem von der RBA geschätzten nachhaltigen Tempo von rund 2 Prozent. Für Anleger und Märkte ist entscheidend, ob die RBA mit der Anhebung den Höhepunkt des Zinszyklus markiert oder ob weitere Schritte folgen.

Für wen ist die Meldung relevant?

  • Devisenanleger und Forex-Trader: Die Reaktion des AUD hängt stark vom Ton der RBA-Erklärung und der Pressekonferenz von Gouverneurin Michele Bullock ab. Signale für eine mögliche weitere Erhöhung im November könnten den AUD stützen und die Renditen kurzlaufender Anleihen steigen lassen. Eine klare „One-and-done“-Botschaft würde dagegen den Aufwertungsdruck nehmen.
  • Anleiheinvestoren: Die Renditen australischer Staatsanleihen, insbesondere am kurzen Ende, reagieren empfindlich auf den Zinsausblick. Ein erwarteter weiterer Schritt im November würde die Renditen nach oben treiben.
  • Marktbeobachter und Volkswirte: Die Entscheidung liefert wichtige Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs der RBA und die Inflationserwartungen. Die Bandbreite der Prognosen reicht von einem Zinsgipfel bei 4,60 Prozent bis zu 4,85 Prozent bis Jahresende.
  • Anleger mit AUD-Exposure: Wer in australische Vermögenswerte investiert ist oder Währungsrisiken absichert, sollte die RBA-Entscheidung und die anschließende Kommunikation genau verfolgen.

Die große Mehrheit der Ökonomen (26 von 31) erwartet, dass der Leitzins bis Ende Dezember bei 4,60 Prozent verharrt. Eine Minderheit rechnet mit einem weiteren Schritt auf 4,85 Prozent. Unter den großen australischen Banken sehen CBA, NAB und Westpac den Zinsgipfel bei 4,60 Prozent, während ANZ mit 4,85 Prozent rechnet. NAB betont, dass die Risiken klar in Richtung einer weiteren Erhöhung im November tendieren, auch wenn dies nicht das Basisszenario sei. HSBC-Chefvolkswirt Paul Bloxham, der eine weitere Erhöhung im nächsten Quartal erwartet, argumentiert, die RBA werde zunehmend ungeduldig mit der über dem Ziel liegenden Inflation. Die Entscheidung am Dienstag und der Ton der begleitenden Erklärung werden maßgeblich bestimmen, ob die Märkte 4,60 Prozent als Höhepunkt oder als Zwischenstation betrachten.

Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.