Stand: 24.09.2026, 01:04 Uhr
Eine aktuelle Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) stellt die Genauigkeit gängiger Onchain-Kennzahlen bei Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Tron infrage. Die Forscher zeigen, dass Berechnungen von Transfervolumen und Marktkapitalisierung je nach Methode um ein Vielfaches abweichen können. Grund sind technische Besonderheiten der Blockchain, wie Wechselgeld-Effekte und dauerhaft verlorene Coins. Für Anleger bedeutet das: Onchain-Daten sind nützliche Orientierungshilfen, aber keine exakten Messwerte. Die Studie liefert wichtige Impulse für eine realistischere Bewertung digitaler Assets.
Warum ist das wichtig?
Onchain-Daten gelten vielen Krypto-Investoren als objektive Grundlage für Entscheidungen. Kennzahlen wie das tägliche Transaktionsvolumen oder die Marktkapitalisierung werden oft als Indikatoren für die Gesundheit eines Netzwerks oder den Wert einer Kryptowährung herangezogen. Die BIS-Studie zeigt jedoch, dass diese Zahlen stark von der Berechnungsmethode abhängen. So kann das geschätzte Bitcoin-Transfervolumen je nach Ansatz um bis zu das Sechsfache variieren. Ursache ist die UTXO-Struktur von Bitcoin: Werden Coins ausgegeben, fließt ein Teil oft als Wechselgeld an den Absender zurück – und wird in manchen Berechnungen fälschlich als neuer Transfer gewertet. Auch verlorene Coins, wie die rund 1,8 Millionen Bitcoin, die seit über 15 Jahren nicht bewegt wurden, verzerren die Marktkapitalisierung. Rechnet man sie heraus, sinkt die tatsächlich verfügbare Umlaufmenge deutlich. Die Studie macht deutlich, dass Onchain-Indikatoren unpräzise Näherungswerte sind und nicht als direkte Messgrößen wirtschaftlicher Aktivität verstanden werden sollten. Für die Bewertung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen hat das weitreichende Konsequenzen: Wer auf vermeintlich harte Daten vertraut, könnte Fehlentscheidungen treffen.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Krypto-Investoren und Trader: Wer Kennzahlen wie das MVRV-Verhältnis oder das Transaktionsvolumen für Kauf- oder Verkaufsentscheidungen nutzt, sollte die methodischen Unsicherheiten kennen. Die Studie empfiehlt, mehrere Quellen zu vergleichen und auf Trends statt auf absolute Zahlen zu achten.
- Analysten und Forscher: Die BIS-Studie liefert eine fundierte Methodenkritik und schlägt vor, Onchain-Daten künftig mit Bandbreiten und offengelegten Annahmen zu versehen. Das könnte die Qualität von Marktanalysen verbessern.
- Emittenten von Krypto-ETPs und Fonds: Produkte, die auf Indizes basieren, die Onchain-Daten nutzen, müssen die Verzerrungen berücksichtigen. Die Studie zeigt, dass einfache Marktkapitalisierungsberechnungen irreführend sein können.
- Regulierungsbehörden: Die BIS als Institution der Zentralbanken signalisiert mit dieser Studie, dass sie die Datenqualität im Kryptosektor kritisch prüft. Das könnte künftige Transparenzanforderungen beeinflussen.
Für den durchschnittlichen Anleger bleibt die Botschaft: Onchain-Daten sind ein Werkzeug, kein Allheilmittel. Wer sie nutzt, sollte die Grenzen kennen und sie im Kontext anderer Faktoren wie Marktstimmung, Liquidität und makroökonomischen Trends interpretieren. Die Studie selbst gibt keine konkreten Handlungsempfehlungen, unterstreicht aber die Notwendigkeit eines differenzierten Blicks auf die Krypto-Bewertung.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.