
Stand: 25.09.2026, 06:24 Uhr
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete gestern nach Börsenschluss in Europa, dass die USA und Iran über einen schrittweisen Ausweg aus dem Konflikt verhandeln. Im Kern geht es um eine Wiedereröffnung der Straße von Hormuz durch Teheran und die Aufhebung der Wirtschaftsblockade durch Washington. Die größte Hürde: Keine Seite will den ersten Schritt machen. Brent-Rohöl fiel daraufhin von 108 auf 105 US-Dollar pro Barrel, nachdem es am Dienstag noch bei 98 US-Dollar notiert hatte.
Warum ist das wichtig?
Die Meldung zeigt, dass geopolitische Risiken weiterhin die Märkte bewegen. Eine Einigung könnte den Ölpreis nachhaltig drücken und die Inflation entlasten. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit hoch, da beide Seiten aufeinander warten. Die Anleihemärkte reagierten kaum auf die Nachricht: Die US-Renditekurve versteilte sich, die 30-jährige US-Staatsanleihe erreichte den höchsten Stand seit Juni 2004. Die Auktion von 7-jährigen US-Treasuries fiel schwach aus, ähnlich wie die 5-jährigen am Vortag. Die Renditen stiegen um 2,8 Basispunkte (2 Jahre) bis 9,1 Basispunkte (20 Jahre). Auch die EUR-Swapkurve versteilte sich, wobei die kurzen Laufzeiten um 6,3 Basispunkte nachgaben und die langen um bis zu 2,5 Basispunkte zulegten.
Die Aktienmärkte hielten sich vergleichsweise stabil: US- und europäische Indizes schlossen bis zu 0,5 Prozent tiefer. EUR/USD notierte nahezu unverändert bei 1,1380, das Jahrestief bei 1,1325 bleibt in Reichweite. Der heutige Wirtschaftskalender bietet kaum Impulse. Im Fokus bleiben die US-Iran-Diplomatie und die Entwicklung der langen Anleiherenditen, die durch die Normalisierung der Realrenditen getrieben werden.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Anleger in Rohstoffen: Die Ölpreisbewegung betrifft direkt Fonds, die in Rohstoffe investieren, sowie Unternehmen aus der Energiebranche.
- Fixed-Income-Investoren: Die steigenden Renditen und die schwachen Auktionen signalisieren eine erhöhte Risikoaversion und könnten die Zinserwartungen verändern.
- Devisenhändler: EUR/USD bleibt in der Nähe des Jahrestiefs, was auf eine anhaltende USD-Stärke hindeutet. Die Entwicklung der US-Zinsen und der geopolitischen Lage beeinflusst die Wechselkurse.
- Makroökonomen und Strategen: Die Verhandlungen zwischen USA und Iran sind ein Schlüsselfaktor für die Inflations- und Zinsprognosen.
Die Bank of England (BoE) lieferte ebenfalls wichtige Signale: Zwei Vizegouverneure, Lombardelli und Breeden, unterstützten die Markterwartungen einer Zinserhöhung im November. Lombardelli betonte, dass die Dauer des Nahostkonflikts die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung „zunehmend wahrscheinlich“ mache. Sie sieht noch keine Zweitrundeneffekte, warnt aber, dass die Kapazitäten der Unternehmen, höhere Energiekosten zu absorbieren, begrenzt seien. Breeden äußerte sich ähnlich und sagte, die MPC könne „im Laufe der Zeit viel mehr tun müssen“. Der Geldmarkt preist eine 87-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im November ein, gefolgt von drei weiteren Schritten auf 4,75 Prozent bis zum nächsten Sommer. Britische Gilts verkauften sich ebenfalls, wenn auch weniger stark als US- oder europäische Anleihen. Die Renditen stiegen in den letzten zwei Tagen um 12 bis 14 Basispunkte. Sterling litt unter der erhöhten Volatilität, schwachen PMIs und höheren Energiepreisen. EUR/GBP testet derzeit die Widerstandszone um 0,8600/11.
Am Devisenmarkt bleibt der Fokus auf der BoE-Rede von Gouverneur Bailey heute Nachmittag in Oxford. Zudem sorgt der niedrigste Wasserstand des Rheins seit 1880 für Unterbrechungen der Schifffahrt und höhere Transportkosten, was die deutsche Industrie belastet. Das britische Verbrauchervertrauen stieg im September leicht auf -13 Punkte, blieb aber unter dem Zweijahreshoch der Konjunkturerwartungen. Die Inflation bleibt die größte Sorge der Haushalte.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.