Stand: 23.09.2026, 14:01 Uhr

Die US-Wirtschaft hat im September einen überraschend starken Wachstumsschub verzeichnet. Die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (PMI) von S&P Global sind auf den höchsten Stand seit mehr als fünf Jahren gestiegen. Der zusammengefasste Index (Composite) kletterte von 56,0 auf 58,4 Punkte – der höchste Wert seit 62 Monaten. Auch die Teilindizes für das verarbeitende Gewerbe (57,0) und den Dienstleistungssektor (58,7) erreichten neue Mehrjahreshochs. Die Daten signalisieren eine breite konjunkturelle Beschleunigung, die sich bereits im vierten Monat in Folge fortsetzt.

Warum ist das wichtig?

Die PMI-Werte gelten als Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität. Ein Wert über 50 signalisiert Expansion, je höher, desto dynamischer. Der aktuelle Schub deutet auf ein annualisiertes Wachstum von rund fünf Prozent hin – ein Tempo, das zuletzt in der unmittelbaren Erholungsphase nach der Pandemie erreicht wurde. Für Anleger ist dies ein zweischneidiges Signal: Einerseits bestätigt sich die Widerstandsfähigkeit der US-Konjunktur, andererseits nehmen die Preisauftriebskräfte wieder spürbar zu. Die Gesamtkosten für Vorleistungen stiegen so stark wie seit Oktober 2022 nicht mehr, angetrieben von höheren Treibstoff- und Transportkosten sowie steigenden Löhnen. Die Verkaufspreise zogen ebenfalls an, wenn auch noch unter dem Niveau des Frühjahrs. S&P-Global-Chefökonom Chris Williamson warnt, dass die zunehmende Auslastung der Kapazitäten die Preissetzungsmacht der Unternehmen stärkt – ein Risiko für die Inflationsbekämpfung der US-Notenbank.

  • Wachstumsdynamik: Der Composite-PMI erreichte mit 58,4 den höchsten Stand seit Juli 2021. Die Industrie produzierte so stark wie zuletzt im April 2022, die Dienstleister verzeichneten das schnellste Wachstum seit mehr als fünf Jahren.
  • Arbeitsmarkt: Die Beschäftigung legte insgesamt so kräftig zu wie seit Juni 2022 nicht mehr. Besonders die Industrie stellte so viele Mitarbeiter ein wie seit Februar 2021 nicht.
  • Auftragseingang: Die Neubestellungen beschleunigten sich in beiden Sektoren – im Dienstleistungsgewerbe auf das höchste Niveau seit März 2022, in der Industrie seit April 2022. Haupttreiber war die Inlandsnachfrage, während die Exporte schwächelten.
  • Kapazitätsauslastung: Die Auftragsbestände stiegen so schnell wie seit Mai 2022 nicht mehr. Lieferengpässe nahmen zu – die Verzögerungen waren die schwerwiegendsten seit Juli 2022.
  • Inflationsrisiko: Die Vorleistungskosten stiegen im Dienstleistungssektor so stark wie seit November 2022 nicht. Auch die Lohnkosten zogen an. Die Unternehmen gaben einen Teil der höheren Kosten über gestiegene Verkaufspreise weiter.

Für wen ist die Meldung relevant?

Die aktuellen PMI-Daten sind für ein breites Anlegerspektrum von Bedeutung. Devisenhändler beobachten die Entwicklung genau, da eine starke US-Konjunktur die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die Federal Reserve erhöht – ein potenziell stützender Faktor für den US-Dollar. Aktienanleger müssen abwägen zwischen positiven Wachstumsimpulsen und der Gefahr steigender Finanzierungskosten. Besonders zyklische Werte und der Finanzsektor könnten von der robusten Nachfrage profitieren, während wachstumsstarke Technologieaktien unter einem möglichen Zinsanstieg leiden könnten. Auch Rentenanleger sollten die Entwicklung im Auge behalten: Sollte sich der Inflationsdruck verfestigen, dürften die Renditen von US-Staatsanleihen weiter steigen. Für Unternehmen mit hoher Kostenbasis in den USA verschlechtern sich die Rahmenbedingungen durch steigende Lohn- und Materialkosten. Die Meldung unterstreicht, dass die US-Wirtschaft trotz aller globalen Unsicherheiten weiterhin auf Hochtouren läuft – aber der Preis dafür ist ein Wiederaufflammen des Preisauftriebs, der die Geldpolitik vor neue Herausforderungen stellt.

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