Stand: 23.09.2026, 23:56 Uhr
Die US-Regierung unter Präsident Trump erwägt einem Bloomberg-Bericht zufolge eine Initiative, um Dollar-gestützte Stablecoins im Ausland zu fördern. Ziel ist es, die Rolle des US-Dollars als globale Reservewährung zu stärken und gleichzeitig die Nachfrage nach US-Staatsanleihen zu erhöhen. Konkret wird geprüft, ob Joint Ventures mit privaten Unternehmen eingegangen werden können, um Stablecoin-Projekte zu unterstützen. Offizielle Details zu Partnern, Struktur oder Zeitplan wurden jedoch nicht genannt – die Pläne befinden sich noch in der Prüfphase.
Warum ist das wichtig?
Der Hintergrund dieser Überlegungen ist vielschichtig. Zum einen ist der Markt für Stablecoins zuletzt ins Stocken geraten: Tethers USDT schrumpfte im ersten Halbjahr auf rund 184 Milliarden Dollar, Circles USDC auf etwa 72 Milliarden Dollar. Ein Rückgang, der die Sorge schürt, dass die Dominanz des Dollars im digitalen Zahlungsverkehr schwinden könnte. Zum anderen belastet die hohe Staatsverschuldung die USA: Die Rendite zehnjähriger Treasuries liegt bei über 5,1 Prozent – ein 19-Jahres-Hoch. Die US-Regierung sucht daher nach neuen Quellen für ausländische Nachfrage nach ihren Anleihen.
Der Mechanismus hinter der Stablecoin-Idee ist simpel: Der im Juli 2025 verabschiedete GENIUS Act verlangt von Emittenten, ihre Token eins zu eins mit Reserven zu hinterlegen – vor allem mit kurzlaufenden Treasury Bills. Würden mehr Dollar-Stablecoins im Ausland genutzt, stiege automatisch die Nachfrage nach diesen kurzen Staatsanleihen. Finanzminister Scott Bessent hat bereits angedeutet, dass der Markt bis Ende des Jahrzehnts auf drei Billionen Dollar wachsen könnte.
Allerdings gibt es Grenzen: Da die Reserven hauptsächlich in kurzen Laufzeiten parken, hilft die Initiative vor allem dem vorderen Ende der Zinskurve. Der aktuelle Druck lastet jedoch auf den langen Laufzeiten (zehn und 30 Jahre). Zudem reagieren ausländische Regierungen zunehmend mit eigenen digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) oder verschärften Regeln für Stablecoin-Wallets – ein Zeichen, dass die USA nicht ungehindert ihre digitale Währung exportieren können.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Krypto-Investoren: Die Initiative ist ein positives Signal für regulierte Dollar-Stablecoin-Emittenten wie Circle oder Tether, aber kein direkter Treiber für Bitcoin oder Ether. Anleger sollten abwarten, ob konkrete Partnerschaften und Finanzierungsdetails folgen.
- Anleihen-Investoren: Die Nachricht unterstreicht die wachsende Sorge der US-Regierung über die Finanzierungskosten. Sollte die Initiative tatsächlich umgesetzt werden, könnte sie die Nachfrage nach kurzen Treasuries stützen – die Belastung am langen Ende bleibt jedoch bestehen.
- Devisenhändler: Ein verstärkter Export von Dollar-Stablecoins könnte langfristig die Dollar-Nachfrage erhöhen, aber auch Gegenwind durch ausländische CBDCs provozieren. Die Märkte werden die Entwicklung genau beobachten.
- Regulierungsbeobachter: Die Pläne zeigen, dass Washington die digitale Währungslandschaft aktiv gestalten will – ein Signal für andere Länder, ihre eigenen Strategien zu überdenken.
Bis offizielle Bestätigungen und Details vorliegen, bleibt die Meldung ein politischer Testballon. Die entscheidenden Indikatoren sind: Werden konkrete Partner genannt? Gibt es Finanzierungszusagen? Und vor allem: Zeigen die Stablecoin-Marktdaten (USDT, USDC) wieder Wachstum? Erst dann lässt sich beurteilen, ob die Initiative mehr ist als ein wohlklingendes Konzept.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.