Stand: 23.09.2026, 12:27 Uhr
Der Bundesrat berät am Freitag über die Abschaffung der sogenannten 12-Uhr-Regel an Tankstellen. Die Regelung, die seit dem 1. April 2025 in Kraft ist, erlaubt Tankstellen nur noch eine Preiserhöhung pro Tag – und zwar um 12 Uhr mittags. Senkungen sind jederzeit möglich. Eingeführt wurde sie mit dem Ziel, Preissprünge zu reduzieren und mehr Transparenz für Autofahrer zu schaffen. Doch die Bilanz nach knapp sechs Monaten fällt aus Sicht von Ökonomen, Verbraucherschützern und dem ADAC ernüchternd aus. Statt Entlastung sehen Kritiker höhere Margen und größere Preisspannen.
Warum ist das wichtig?
Die 12-Uhr-Regel sollte ursprünglich für mehr Planbarkeit beim Tanken sorgen. Doch die Realität zeigt: Die Preise sind nicht gesunken, sondern gestiegen. Im September lag der durchschnittliche Tagespreis für Super E10 bei 2,267 Euro pro Liter, für Diesel bei 2,428 Euro – Rekordniveau. Die Preisspanne innerhalb eines Tages hat sich ausgeweitet: Beim Diesel betrug sie im September 17 Cent, mehr als vor Einführung der Regel. Der ADAC fordert daher die komplette Abschaffung. Auch das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und das Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) haben ermittelt, dass die Gewinnmarge bei Superbenzin in den ersten zwei Wochen nach Einführung um durchschnittlich 6 Cent pro Liter höher lag als zuvor. Die Regel habe die Kosten der Preisunsicherheit nicht beseitigt, sondern über den mittäglichen Aufschlag an die Kunden weitergereicht. Für Anleger ist die Debatte relevant, weil sie die Rahmenbedingungen für Ölkonzerne wie TotalEnergies, BP und Shell beeinflusst. Zwar spielt die Tankregel für die großen Konzerne an der Börse eine untergeordnete Rolle – maßgeblich bleiben der Ölpreis, Raffineriekapazitäten und geopolitische Risiken wie die Lage in der Straße von Hormuz. Dennoch zeigt die Kritik, dass politische Eingriffe in die Preisbildung oft unerwünschte Nebenwirkungen haben.
Für wen ist die Meldung relevant?
- Autofahrer: Sie sind direkt von den Preisen an der Zapfsäule betroffen. Die 12-Uhr-Regel hat nicht zu günstigeren Spritpreisen geführt, sondern zu höheren Margen und größeren Preisspannen. Wer mittags tanken muss, zahlt besonders viel.
- Anleger in Ölaktien: Die Debatte um die Tankregel ist für die Kurse von TotalEnergies, BP und Shell nur ein Randthema. Entscheidend bleiben der Ölpreis, die Förderung und die Raffineriemargen. JPMorgan hat TotalEnergies von „Overweight“ auf „Neutral“ abgestuft, BP dagegen auf „Overweight“ hochgestuft.
- Politische Entscheidungsträger: Der Bundesrat berät am Freitag über die Abschaffung der Regel. Ein Votum wäre ein politisches Signal, könnte aber auch den Druck auf die Bundesregierung erhöhen, die Regel vor Ablauf der Jahresfrist zu kippen oder nachzuschärfen.
- Verbraucherschützer und Wirtschaftsforscher: Sie sehen in der Regel ein Beispiel dafür, wie staatliche Preiseingriffe das Verhalten der Anbieter verändern – oft anders als politisch beabsichtigt. Die günstigsten Preise werden am späten Vormittag erreicht, wenn die meisten Berufstätigen nicht tanken können.
Für die Preise an der Zapfsäule dürfte kurzfristig jedoch weiter vor allem der Ölmarkt den Ausschlag geben. Der Rohölpreis pendelt wegen der anhaltenden Probleme in der Straße von Hormuz um die Marke von 100 US-Dollar je Barrel Brent. Hinzu kommen Berichte, wonach die USA einen Stopp von Diesel-Exporten erwägen. Das könnte die Preise zusätzlich stützen – unabhängig davon, zu welcher Uhrzeit Tankstellen ihre Preise anheben dürfen.
Auf Basis öffentlich verfügbarer Marktinformationen redaktionell neu eingeordnet. Keine Anlageberatung.